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Gebürtige Moerserin schreibt über das Leben

30.01.2016 | 09:00 Uhr
Gebürtige Moerserin schreibt über das Leben
Alexandra Gaida mit ihrem neuen Buch.

Moers. Ihr Verhältnis zu Büchern war immer schon leidenschaftlich. Über ein Studium „Mediapublishing und Verlagsherstellung“ kam Alexandra Gaida (37) schließlich selbst zum Schreiben. Das jüngste Buch der gebürtigen Moerserin befasst sich mit Menschen, deren Lebenswege plötzlich in eine andere Richtung gingen. Titel des Buches: „Anders als erwartet“.

Zwölf Interviews führte Alexandra Gaida für ihr Buch, es entstanden zwölf Erzählungen verschiedener Schicksale. Sie zeigen, dass das Leben nicht immer so glatt läuft, wie der Mensch es gern hätte, und wie Betroffene damit fertig werden.

Wie das Beispiel des Schreibabys mit der frühkindlichen Regulationsstörung. „Schon die Geburt war sehr schwer, das Kind wurde dabei wahrscheinlich traumatisiert.“ Für Kind und Eltern gab es keinen Tag- und Nachtrhythmus, nur das Schreien rund um die Uhr. Therapien aller Art, alle Aufmerksamkeit galt dem Kind. „Nach einem Jahr legte sich die Störung. Es ist Ruhe eingekehrt.“

Oder der Fall der Mutter, die während der Schwangerschaft erfährt, dass ihr Kind behindert ist. „Jeremia litt an einem seltenen Gendefekt. Aber die Mutter nahm das Kind so an, wie es ist.“ Folge des Defektes war es leider auch, dass das Baby drei Wochen nach der Geburt starb. „Die Mutter haderte lange damit, dass ihr Kind starb, als sie gerade nicht bei ihm war.“ Heute ist in der Alltag mit zwei weiteren gesunden Kindern eingekehrt.

Pflegende Angehörige

Auch den Ehemann, der seine Frau seit 2009 im Wachkoma pflegt, hat die Autorin befragt. „Es gab eine Fernsehsendung über ihn, so entstand der Kontakt.“ Er holte seine Frau nach Hause, statt den Ratschlägen der Ärzte zu folgen, sie ins Heim zugeben. Und er erzog darüber hinaus noch vier Kinder und versorgte den Haushalt. Dabei erfährt er auch Gegenwind von der eigenen Familie.“ Heute kämpft der Mann in einer Selbsthilfegruppe für mehr Unterstützung für pflegende Angehörige, er hat ein Netzwerk gegründet und beweist viel Lebensmut. Auch ein Thema: Überraschend alleinerziehend. Oder der Afghanistan-Soldat, der unter einer posttraumatischen Störung litt und das gesamte Familienleben durcheinanderwirbelte. Und das Paar mit Drillingen, das eigentlich nur ein Kind wollte. „Die Elternzeit war wenig beschaulich, aber heute hat sich alles zum Guten gewendet“, berichtet Alexandra Gaida.

Die Idee zu dem Buch kam ihr, wie sie schildert, durch eine Freundin, die ein Kind hat, das an Epilepsie leidet.

„Ich dachte, es ist auch wichtig, ‘mal über den Tellerrand zu anderen Menschen zu schauen.“ Die Fälle, die teils auch durch Suchannoncen zusammenkamen, seien dramatisch, aber mitten aus dem Leben gegriffen. „Man plant, und dann wirft einen das Schicksal aus der Bahn. Am Ende finden aber alle zu einem Alltag zurück.“ Da sehe man eben auch, wie banal der tägliche kleine Ärger sei.

Neue Pläne hat die Autorin, die heute bei Stuttgart lebt, auch: „Es gibt viel zu wenig Literatur über Tot- oder Fehlgeburten.“ Ein Buch über diesen Themenkreis ist derzeit in Vorbereitung. Die ersten Interviews stehen bevor.

Klara Helmes

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2016-01-30 09:00
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