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Fußball-Feriencamp gegen Kinderarmut

09.08.2011 | 21:56 Uhr
Fußball-Feriencamp gegen Kinderarmut
Mit Ex-Profi-Fußballer Uwe Weidemann trainierten die kleinen Kicker beim Ferien-Fußballcamp des Vereins „Klartext für Kinder-Aktiv gegen Kinderarmut!“ Foto: Volker Herold / WAZ FotoPool

Moers.Sport ohne Grenzen: Der von der NRZ initiierte Verein „Klartext für Kinder - Aktiv gegen Kinderarmut!“ organisierte für betroffene Kinder in Moers ein Ferien-Fußballcamp mit Ex-Profi Uwe Weidemann.

Die Trikots sehen wirklich klasse aus, und Mike (Namen geändert) hüpft nervös vor Ex-Profi Uwe Weidemann herum: „Darf ich das echt behalten?“ Klar darf er. Und gleich anlassen, wie alle Mädchen und Jungen an diesem Morgen im Süden von Moers. So hat das was von Schuluniform, von Teamgeist: alle zusammen, ein Ziel. Das erleben sie nicht so häufig, dort, wo sie herkommen. Aufeinander achten, etwas miteinander schaffen.

Auf der Asche vom SV Schwafheim ging’s drei Tage lang genau darum. Der von der NRZ initiierte Verein „Klartext für Kinder - Aktiv gegen Kinderarmut!“ lud zum Ferien-Fußballcamp für kleine Kicker ein, die sowas sonst nie erleben würden.

Drei Tage lang richtiges Training mit tollen Übungen, Mini-Olympia, echtem Wettkampf eben. Keine leichte Aufgabe für die Knirpse, deren größtes Problem es zum Teil ist, sich länger als eine halbe Stunde lang auf eine Sache zu konzentrieren. Es hat ihnen niemand beigebracht. Eine Herausforderung auch für das Team der Deutschen Fußballschule um Ex-Profi Torsten Wohlert. Aber im Sport geht vieles über klare Ansagen, und damit kennen sich kernige Fußballer aus.

Angeschrieben hatte Klartext viele Familien aus der vereinseigenen Datenbank. Wo halt schon mal geholfen wurde: die Klassenfahrt für Tim, der Schreibtisch für Ahmet, das Fahrrad für Luisa. Und so vieles mehr. Der Rücklauf war erstaunlich, und am Ende zogen 30 Kinder das große Ferien-Los. Auffällig viele Mädchen.

Streng, aber gut

Foto: Volker Herold / WAZ FotoPool

Wie Jennifer: „Die sind streng, aber das ist gut. Manche Jungs sind ganz schön wild.“ Besonders beim Essen, wenn nach der ersten Übungseinheit der zweite Energieschub kam. Die Wirtsleute im SV-Clubhaus haben das dann geschickt gelöst. Bei jedem Mätzchen kam das Essen fünf Minuten später auf den Tisch. Das lernen Mini-Poldis blitzschnell. Fußball macht nämlich auch richtig Kohldampf.

Der Verein hatte einen Reisebus organisiert und die Kinder an verschiedenen Haltepunkten in der Stadt abgeholt. Schwafheim ist ein wenig abgelegen und Fahrräder sind kein Standard, geschweige denn Busgeld. Dila ist sieben und zusammen mit ihrer Schwester Leila und Bruder Ahmet gekommen. Die Familie aus Mazedonien hat noch mehr Kinder, und für das kickende Geschwister-Trio sind diese Tage der Höhepunkt des Sommers. Die Mädchen haben noch nie Fußball gespielt, Ahmet war sogar schon mal im Verein. „Ich hatte sogar ein Angebot“, erzählt der junge Mann. Doch dann hatte sich die marode Jugendabteilung seines Clubs aufgelöst und das mit dem Angebot: „Meine Eltern hätten mich bringen müssen.“

Jetzt wollen auch die Mädchen in einen Verein, und Ahmet durchdribbelt den Parcours mit Stangen und einem umgekippten Biertisch als Doppelpass-Partner, streichelt den Ball auffallend oft mit der Sohle und man merkt: Mindestens so wichtig wie die Zeit ist, dass es cool aussieht.

In der Mitte steht Trainer Jo Etouke und feuert den Kleinen an: „Zieh, zieh, zieh, super, das sieht nach Bestzeit aus.“ Pustekuchen. Am Rand steht Kevin und grinst: „Kommt schon, klatsch ab, ich bin schneller...“

Lob von den Profis

Ziemlich gleichschnell waren alle aus dem bunten Haufen, der über drei Tage zu einer echten Einheit gewachsen war, am letzten Tag.

Foto: Volker Herold / WAZ FotoPool

Da gab es Urkunden, Lob von echten Ex-Profis und Ermäßigungskarten für tolle Ausflugsziele. Die gehören mit zum Paket der Deutschen Fußballschule, würden hier aber wohl nie zum Einsatz kommen. „Klartext für Kinder“ wird dafür sorgen, dass diese Vorlage, um in der Fußballer-Sprache zu bleiben, auch genutzt wird. Interessant ist, was bei den Kids so alles haften bleibt. Bei Sven war es „das leckere Essen“, bei Nancy „der lustige Uwe“ und bei Roy und seinen Kumpels – und jetzt geht’s endlich auch um Fußball – „die Waden“. Kein Witz, die Jugendlichen waren völlig beeindruckt von Wohlert und Co: „Die haben voll Muskeln.“

Michael Passon

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Kommentare
10.08.2011
07:33
Fußball-Feriencamp gegen Kinderarmut
von Klare-Kante-Komiker | #4

Kamen Beckenbauer, Gerd Müller usw. nicht aus wirklich armen Arbeiterfamilien?
Haben die es mit sozialem Aufstand, oder nicht doch mit Fleiß und Ehrlichkeit geschafft?
Ach ja, das sind ja vermutlich Tugenden aus der dunklen Zeit Deutschlands.

10.08.2011
02:43
Fußball-Feriencamp gegen Kinderarmut
von h.kafka | #3

zu 2 # von Trowel
Sie werden es nicht glauben aber die Leute haben auch heute nicht mehr als früher
denn die Renten sind so klein das für viele ein Pfund Kaffee schon ein Luxus ist den Sie sich auch nicht immer leisten können
vor allen dingen Frauen die nur 60 % Witwenrente bekommt
die nicht nur mit den Verlust ihres Partners fertig werden müssen
sondern auch noch umziehen müssen weil sie die Miete nicht mehr bezahlen können und kein Wohngeld bekommen weil die Wohnung für Sie zu groß ist
alleine dürfen Sie nur 45 qm haben
und das ist die Generation die schon durch den Krieg keine Kindheit und Jugend hatten und jetzt im Alter wieder an der Armutsgrenze leben müssen
die auch nicht gelernt haben zum Amt zu gehen und um beihilfe zu fragen die wickeln sich lieber in drei Decken im Winter ein als um Heizgeld zu fragen
also das giebt es leider auch was nicht heißt das man den Kindern das nicht gönnt

10.08.2011
01:32
Fußball-Feriencamp gegen Kinderarmut
von Trowel | #2

@ayberger
Dann ist ja alles in Butter.
Ich hoffe nur, dass Sie sich auch heute noch auf das beschränken, was Ihnen als Kriegskind zur Verfügung stand.

09.08.2011
23:10
Fußball-Feriencamp gegen Kinderarmut
von ayberger | #1

Es gibt hier keine Kinderarmut, kein Kind muß verhungern, erfrieren, im Freien leben, unbekleidet herumlaufen odeer ohne medizinische Versorgung sterben - für all dieses ist gesorgt, nur: Luxus- und Markenklamotten, Händy und Ipod, Flugurlaube usw. müssen nicht sein, man kann auch ohne dem leben und in der Schule Leistung bringen, wir Kriegskinder mußten noch mit viel weniger auskommen, weniger Konsum Freß Sauf ist eine echte Befreiung ...

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