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Für Genießer und Kunst-„Besitzer“

11.09.2011 | 17:24 Uhr
Für Genießer und Kunst-„Besitzer“
Das „Menschenbild“ von Hora de Samba. Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool

Moers.Zeitgenössische Kunst im Seewerk: Keine schnellen Happen zwischendurch, sondern eine Einladung zum Menü

Wie gut, dass niemand eine so bedeutungsschwere Rede gehalten hat, wie man es bei dem Objekt direkt am Eingang zum Seewerk hätte befürchten können: Dort stand ein überdimensionales, tonnenschweres metallenes Monstrum von Rednerpult inklusive der unvermeidlichen zahlreichen Mikros. Dragan Lovrinovic’ „Die große Rede“ empfing die Besucher der neuen Werkschau zeitgenössischer Kunst auf dem Gelände der ehemaligen Schnapsbrennerei. Und weil niemand große Reden schwang, konnten sich die zahlreichen Besucher in Ruhe und Muße den Arbeiten widmen.

Das taten viele so gedankenverloren, dass sie schon auf den ersten Metern ihre Begleitung vergaßen und aus den Augen verloren. So waren viele auf dem Gelände nicht nur auf der Suche nach Kunst, sondern auch auf der Suche nach ihren Partnern. Ein gutes Zeichen, wenn Kunst ihre Betrachter so in den Bann ziehen kann.

Bloß keine
Hektik

Es ist ebenso ein gutes Zeichen, wenn sich statt gestrenger Wichtigkeit eine so freundliche, entspannte und lockere Atmosphäre entfalten kann wie im Seewerk. Wenn man dann auch noch Kunst „besitzen“ darf, nämlich Anatols thronartige Stühle, um ein Päuschen in der Sonne zu machen, ist das perfekt. Und ein schöner Gegensatz zur Kunst in der Sushibar. Dort drehten sich Miniaturen einiger Arbeiten, als wollten sie der schnelle Happen zwischendurch werden: Kunst to go? Bloß nicht.

Lieber verweilen vor Anatols Schmetterlingsmann, der trotz schweren Eisens von ungemeiner Leichtigkeit ist. Den Blick verfangen lassen in Johannes Schepps kokonartigen

wahrlich versponnenen Gebilden in den alten Bäumen des Parks. Sich satt sehen an Sandra Holtz’ perlmuttschimmernden, strengen Holzreihen. Das Erd-Tattoo von Moni Müller mit den Augen erwandern, das das Muster des Fingerhuts nachempfindet. Gedanklich versinken in den weichen Kissen, die Ingeborg Broska und Anne Blaß für ihre Performance „unbehaust“ in ein Grabgitter gelegt haben. Auf große Fahrt gehen mit Andreas Detloffs Boot, das um einen Baum gebaut ist, der so zum Segelmast wird. Hineinhorchen in die überdimensionalen Ohrmuscheln in den Installationen von Abdelhadi. Sich in stiller Betrachtung ergehen wenn „Hora de Samba“ ihr lebendes „Menschenbild“ entstehen lassen. Dem perspektivischen Rätsel der geometrischen Skulpturen von Günter Stangelmeyer auf die Spur kommen.

Ursprünglich sollte das Werk von Norbert Tadeusz, Akademieprofessor in Düsseldorf, im Mittelpunkt der Seewerk-Schau stehen. Nachdem der im Juli verstorben ist, gab es rechtliche Probleme. So sprangen zwei seiner Schüler - Michael Bach und Andreas Schön – ein, die beide in unterschiedlicher Weise von Tadeusz profitierten. Während Bach mit seinen fotorealistischen Arbeiten dessen Forderung nach Komposition nachkommt, rebelliert Schön gegen den, der ihn „gezwungen hat, zu malen“, indem er einer fertig scheinenden Landschaft eine störende dritte Ebene hinzufügt. Beide sprechen mit Hochachtung von ihrem „charismatischen“, manchmal “raubauzigen“, aber oft „großzügigen“ Lehrer. Norbert Tadeusz’ Arbeiten werden 2012 im Neukirchen-Vluyner Klärwerk zu sehen sein.

Karen Kliem

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