Fünfeinhalb Jahre für Ladendiebstahl in Moers

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Was wir bereits wissen
Ein 23-jähriger Rumäne aus Duisburg hatte nach einem Ladendiebstahl versucht, den Angestellten eines Supermarktes an der Römerstraße zu überfahren.

Moers..  Gerade einmal 60 Euro waren die Sachen wert, die der 23-Jährige am 27. Februar diesen Jahres in der Lidl-Filiale an der Römerstraße in den Einkaufswagen packte und aus dem Laden ging, ohne zu bezahlen. Doch auch wenn die Beute nicht viel wert war: Der 23-jährige Rumäne wurde am Mittwoch von der auswärtigen großen Strafkammer des Landgerichts Kleve zu fünfeinhalb Jahren verurteilt. Denn aus dem Ladendiebstahl wurde eine filmreife Verfolgungsjagd über die Autobahn.

Dass sie nicht allzu viele Chancen hatte, war der Verteidigerin offenbar nur zu gut bewusst. Denn noch bevor die Strafkammer unter Vorsitz von Johannes Huismann den Gerichtssaal betreten hatte, fragte sie Staatsanwalt Arne Kluger: „Können wir gleich ein bisschen reden?“

Dieser jedoch hatte keine Lust, sich auf Diskussionen einzulassen: „Angeklagt sind fünf Jahre aufwärts“, beschied er die Anwältin, die es daraufhin bei den Richtern versuchte. Sie trieb es so weit, dass Richter Huismann schließlich ins Protokoll aufnehmen ließ, dass es mit ihm keine Absprachen gebe: „Die Kammer führt solche Gespräche nicht.“

Was blieb dem Angeklagten also anderes übrig, als auf die Tränendrüse zu drücken? Er sei bei seinen Großeltern aufgewachsen, die sich in Rumänien als Tagelöhner hätten verdingen müssen, und seine Mutter habe ihn und seinen Bruder gewissermaßen sitzen lassen, um in Frankreich zu betteln und Mülltonnen zu durchwühlen.

Betteln ist besser als zu arbeiten

Als er via Dolmetscher dann erzählte, er habe einen Job auf dem Bau aufgegeben, um ebenfalls in Frankreich zu betteln, fragte Richter Huismann, ob dies besser sei als zu arbeiten. Ja, sagte der Angeklagte; die Arbeit sei ihm zu schwer gewesen. Nach Deutschland will er im Januar 2015 gekommen sein.

Im Februar 2015 fuhr der 23-Jährige dann mit einem Transporter auf den Lidl-Parkplatz an der Römerstraße in Moers, packte sich den Einkaufswagen voll und wollte abhauen. Ein Angestellter des Discounters stellte sich ihm in den Weg, worauf der 23-Jährige mit durchdrehenden Reifen auf ihn zuraste. Mit heftigem Gestikulieren machte der Angestellte eine Polizeistreife auf den Transporter aufmerksam, die sofort die Verfolgung aufnahm.

Was folgte, war laut Staatsanwalt Arne Kluger eine „halsbrecherische Verfolgungsjagd über die Autobahn“ mit einem Wendemanöver mit qualmenden Reifen. Der Polizei vermochte der Mann allerdings nicht zu entkommen – einen Tag später saß er bereits in Untersuchungshaft in Duisburg-Hamborn. Diese wird nun von einer langjährigen Strafhaft abgelöst – das Ende eines Ladendiebstahls.