Fotobeweis der Auferstehung in Kamp-Lintfort

In der Abteikirche vom Kamp ist das Schlussbild des Zyklus platziert. Im Lebensraum Kirche soll die Botschaft in Schwung kommen.
In der Abteikirche vom Kamp ist das Schlussbild des Zyklus platziert. Im Lebensraum Kirche soll die Botschaft in Schwung kommen.
Foto: Funke Foto Services

Kamp-Lintfort..  Im Johannesevangelium steht geschrieben, wie der Jünger Thomas die Auferstehung Jesu erst glauben mag, wenn er die Male der Nägel an Jesu Händen mit eigenen Augen sähe. Ein zeitgemäßer Beweis für die Auferstehung wäre wohl ein Selfie mit dem Messias, aber im biblischen Kontext gab es natürlich weder Fotobeweis noch Handy. Das ändern die Gemälde von Annette Marks.

Aktuelle Seite der Passion zeigen

Die Bezeichnung „ungläubiger Thomas“ stammt aus dieser Bibelstelle und es ist auch eines von acht Werken der Ausstellung „Passion“ von Künstlerin Annette Marks. Der Kreuzweg Christi fand nicht andächtig statt, sondern im öffentlichen Raum und genau dorthin hat die Meisterschülerin von Tony Cragg ihre Ausstellung gebracht. Mitten in Wuppertal hat sie die Stationen des Leidensweges wie den „Judakuss“, „Geißelung“ oder „Auferstehung“ erstmalig ausgestellt und jetzt für die Passionszeit im Museum Kloster Kamp eine neue Heimat gefunden.

Die Bilder sind eine Übertragung in die Moderne, ins heute. So zeigt die Leinwand mit dem „Ungläubigen Thomas“ den Zweifler mit Smartphone in der Hand, wie er den Heiland zum Beweis fotografiert. Die Wahlessenerin mit Lehrtätigkeiten an zwei Universitäten übersetzt jahrtausendealte Szenen aus der Bibel ins Hier und Jetzt. So findet sich neben den traditionellen Kleidern der Dargestellten auch mal ein Baseballcap. Alle Bilder sind mit Kohle untermalt und anschließend koloriert. Nur Jesus am Kreuz ist schwarz-weiß.

Ausgerechnet das Bild zur Auferstehung in der Begegnung mit Maria Magdalena ist als einziges der Reihe in der Kirche gegenüber des Museums platziert. Ähnlich wie Maria von der Stimme Jesu getroffen war, soll das Bild auf den Betrachter wirken. Wie eine Explosion und zum Nachdenken und Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben beitragen. Die Künstlerin selbst ist zwar von Haus aus katholisch, hat sich aber vor der Umsetzung auch intensiv mit der Theologie beschäftigt und Vorlesungen besucht. Peter Hahnen, Geschäftsführer des geistigen und kulturellen Zentrums, ist überzeugt, einen guten Auftakt der vier jährlichen Ausstellungen ins Haus geholt zu haben. Ihm gefällt, dass „jeder etwas in den Bildern erkennen kann.“ Er als studierter Theologe und auch Besucher des alten Klosters. Er erkennt die von Papst Franziskus für dieses Jahr ausgerufene Barmherzigkeit, die Absicht, sich den Menschen zu nähern.