Feuer und Flamme für dänisches Lebensgefühl

Am Niederrhein..  Wenn die Vluynerin Britt Ruschke zurückblickt, kann sie zufrieden feststellen, dass sie ihren Traum wahr gemacht hat: Selbstständig sein und ein Stück Heimat nach Rheurdt mitbringen. Die 1968 in der dänischen Hafenstadt Frederiksværk geborene Dänin kam mit ihrem zwölften Lebensjahr nach Duisburg, absolvierte dort eine Ausbildung als Friseurin, die sie 1988 abschloss. 17 Jahre lang blieb sie in dem Beruf, der, wie sie selbst sagt, handwerkliches Geschick erforderte, was ihr später half. Zuletzt arbeitete sie bis 2006 bei einem Vluyner Friseur. 1999 zog sie nach Vluyn, baute dort ein Haus mit ihrem Lebensgefährten und zwei Töchtern.

Den Traum von der Selbstständigkeit hegte Britt Ruschke nach wie vor. „Davon habe ich immer geträumt“, erinnert sich die 47-Jährige. Bei ihren Eltern lernte sie früh das Arbeitsleben kennen: Ihre Mutter führte einen Friseur-Salon, später eine Gaststätte, in der Tochter Britt anpackte. „Ich habe die Herausforderungen kennengelernt, aber ich fand es toll, selbst einen eigenen Laden zu haben.“ Und: „Mir war klar, dass es ein Ofenladen werden soll.“

Ihre alte Heimat Dänemark begleitete sie bei der Entscheidung, denn dort ist ein Ofen in fast jedem Haus und in verschiedensten Varianten zu finden. „Außerdem habe ich dort als Pfadfinderin den Umgang mit Feuer kennengelernt und was so ein Lagerfeuer für eine schöne Stimmung erzeugen kann“, denkt Ruschke zurück. Klar war auch, dass es dänische Öfen sein sollen, von der Marke Morsø oder Varde etwa.

„Diesen Gedanken, jedem Menschen ein warmes Zuhause zu geben, finde ich schön“, sagt Ruschke mit Blick in den Laden auf der Vluyner Straße. Mit dem Fahrrad ist sie im Oktober 2006 hier vorbei gefahren und hat sich sofort in die Umgebung und die Räumlichkeiten verliebt. „Das Gebäude stand leer, da habe ich angeklopft und gefragt, ob ich den Laden anmieten kann.“ Als die Räume in der alten Molkerei feststanden, fuhr sie mit ihrem Mann auf die dänische Halbinsel Mors, um sich die Herstellung der Morsø-Öfen anzusehen. Der Vertriebsleiter begeisterte sich für die Idee, dass sich eine Frau mit diesem Handwerk auseinandersetzte, und unterstützte Britt Ruschke in ihrem Plan. „Es war nicht immer einfach, Kredite aufzunehmen und mit einem festen Startkapitel loszulegen“, stellt sie rückblickend fest. „Aber gemeinsam mit meinem Mann hatte ich eine Vorstellung, wie es werden sollte.“

Dabei half oft die dänische Gelassenheit, meint sie schmunzelnd. „Mein näheres Umfeld belächelte meine Motivation einen Ofenladen zu eröffnen zunächst“, denn: Jahrelang seien Ofen-Studios eine Männerdomäne gewesen. Vorurteile gegenüber Frauen gäbe zwar hin und wieder, „aber die lassen sich mit viel technischem Know-How und guter Beratung schnell beseitigen“, weiß Ruschke.

Seit 2006 arbeitet die Inhaberin gemeinsam mit ihrem vorherigen Mann Heiko Ruschke, der sie bei der Auslieferung von Ausstellungen von Öfen unterstützt, in dem 70 qm großen Studio auf der Vluyner Straße 16. 24 Stahl- und Gussöfen stellt sie hier samt Ausstattung aus. Mit spezielle Verbrennungstechniken und Umweltsiegel nach dänischen Kriterien sind die meisten Öfen ausgestattet. Von montags bis samstags berät sie Kunden, durfte schon den Vertriebsleiter der Ofenfirma Morsø begrüßen.

Sie freut sich, dass sie mit ihrem kleinen Laden ihre Begeisterung weitergeben kann. Die Menschen seien freundlich und Rheurdt als Standort ländlich, fast dänisch. Britt Ruschke: „Das ist dänisches Lebensgefühl auf 70 Quadratmetern.“