Fast jeder Dritte gegen Möbelhaus

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Moers.. Das geplante Möbelhaus in Kapellen und die Grafen-Galerie in der Innenstadt: Beides sind Großprojekte, die die Stadtentwicklung verändern – sollten sie denn realisiert werden. Insofern liegt es nahe, die Moerserinnen und Moerser im Rahmen des Bürgerbarometers nach ihrer Meinung zu fragen.

Dabei zeigt sich, dass der Möbelhaus-Investor noch Überzeugungsarbeit leisten muss. Auf die Frage, ob es gebaut werden soll, antworten 39% der Befragten mit „Ja“, aber 30% sagen „Nein“, jedem Fünften ist es „egal“. Auffällig: Bei den Frauen ist die Ablehnung höher als bei den Männern – ein Umstand, der die Möbelhaus-Planer nachdenklich stimmen dürfte, denn: Frauen, so berichtet der Einzelhandelsverband, treffen 80 Prozent der Kaufentscheidungen im Handel. Auffallend auch: Am höchsten ist die Zustimmung in den Altersgruppen 30 bis 39 und 50 bis 69 Jahre, also in einem Alter, in dem viele ihre erste Wohnung einrichten oder sich die „zweite Möbelgeneration“ anschaffen.

Wilhelm Bommann, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, interpretiert diese Ergebnisse eher negativ: „Erstaunlich, dass es nur 39% Zustimmung gibt und dass 61% dagegen oder indifferent sind.“ Investor André Kleinpoppen reagiert gelassen: „Ein Möbelhaus am Stadtrand hat für die Bürger keine zentrale Bedeutung, da sind andere Themen wichtiger.“ Deshalb freue er sich über 39% Zustimmung, „dass 30% ,Nein’ sagen, ist nicht so schlimm, dass ich mich ärgern müsste.“

Im Übrigen sieht Kleinpoppen das Projekt auf gutem Weg. Derzeit läuft die Abstimmung mit dem Regionalverband Ruhrgebiet, der Kaufvertrag mit der RAG über das Grundstück – das ehemalige Schacht III-Gelände – sei soeben ausverhandelt worden. Kleinpoppen rechnet damit, dass der Bebauungsplan Ende 2016 rechtskräftig wird und Baubeginn Anfang 2017 sein wird. Dann werde er den Namen des Möbelhaus-Betreibers nennen, an den er das mehr als 40 000 Quadratmeter große Gebäude vermieten will. Allerdings ist eine Variante ebenfalls denkbar: Er könne sich vorstellen, so André Kleinpoppen, dass er das Haus nicht nur baut, sondern selbst in die Betreibergesellschaft einsteigt.

Deutlich positiver sind die Erwartungen, die die Bürger für die geplante Grafen-Galerie am ehemaligen Horten-Standort haben. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass das Einkaufszentrum ein Gewinn für die Innenstadt sein wird, im Osten der Stadt liegt der Wert sogar bei 60%. Etwa jeder fünfte in ganz Moers bezweifelt, dass die Shopping-Mall der City etwas bringt.

Fragt sich, wann es auf der seit Wochen still liegenden Baustelle weitergeht. Brigitte van der Jagt, die mit ihrer Firma Charterhaus die Grafen-Galerie bauen will, sagt, sie warte auf die Baugenehmigung. Bürgermeister Christoph Fleischhauer hält freilich dagegen. Noch immer fehlten Unterlagen, die Charterhaus im Februar zugesagt habe, und die Voraussetzung für die Erteilung der Baugenehmigung seien, sagt Fleischhauer: „Wir waren uns beim letzten Gespräch mit Frau van der Jagt einig, dass wir die Baugenehmigung bis zu den Ferien hinbekommen. Die Stadt hat alles erledigt, was sie zu erledigen hatte. Der Ball liegt bei Frau van der Jagt.“