Facebook hat „1984“ im Moerser Schlosstheater überholt

Diese Ratte spielt eine riesige Rolle.
Diese Ratte spielt eine riesige Rolle.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
George Orwells Roman aus dem Jahr 1948 nahm viel vorweg und ist doch längst überholt. Das Schlosstheater holt den „Big Brother“ auf die Bühne.

Moers..  Facebook-Gründer Marc Zuckerberg hielte wahrscheinlich den Daumen hoch: Was George Orwell in seinem Roman „1984“ als Vision eines totalitären Überwachungsstaates entwarf, ist in vielen Dingen längst von der Realität überholt. Manches aber bleibt für Schlosstheater-Intendant Ulrich Greb unangenehm aktuell: „Früher gaben die Leute ihre Daten nur ungern preis, heute machen sie es freiwillig.“ In diesem Sinne dürfte die neue STM-Inszenierung „1984“, die am nächsten Samstag, 7. Februar, im Schloss Premiere feiert, ein ganz neues Licht auf den allgegenwärtigen „Big Brother“ werfen – auf den, der in jedem einzelnen von uns steckt...

1948 schrieb Orwell den Roman, noch frisch unter dem Eindruck von Stalinismus und Faschismus. Und projizierte in Millionen Leserköpfe die Horrorbilder eines Systems, aus dem es kein Entrinnen gibt. Nachvollziehbar, dass Intendant Greb für das Spielzeitmotto „Sicherheit“ den Stoff aufgreift. Denn der birgt auch sonst noch – oder vielleicht gerade heute wieder – jede Menge Zündstoff.

Schauspieler als Turniertänzer

Wie kommt man in die Köpfe der Bürger? Indem man ihre Sprache kontrolliert. „Neusprech“ heißt das bei Orwells Ozeaniern und treibt absurde Blüten. Das Wort Kollateralschaden kannte Orwell damals nicht, es hätte sicher einen Ehrenplatz im „Neusprech-Wörterbuch“ bekommen. Noch reibungsloser als „Neusprech“ funktionieren da heute allerdings Facebook und Co. – und das ganz ohne Zwang.

In seiner Inszenierung lässt Greb die Protagonisten vor einer zehn Meter langen, die Bühne teilenden Spiegelwand agieren, in der sie sich ständig selbst beobachten, aber vielleicht dahinter ebenso beobachtet werden... Stete Selbstoptimierung trotz Konkurrenzdruck wird es da für das als Turniertanzgesellschaft agierende STM-Ensemble heißen. Damit die Haltung stimmt, haben die Schauspieler im Vorfeld übrigens fleißig mit einem echten Profi trainiert – sie nahmen Tanzstunden bei Guido Gottlieb von der Moerser City-Tanzschule.

Wiedersehen mit Stockhausen

Eine Premiere im doppelten Sinne wird „1984“ für Annika Stadler, die erstmals in einer STM-Inszenierung die Dramaturgie übernimmt. Für die Zuschauer gibt es ein Wiedersehen mit Ensemblemitglied Katja Stockhausen, die nach ihrer Babypause jetzt wieder regelmäßig auf der STM-Bühne stehen wird. Außerdem dabei: Patrick Dollas, Frank Wickermann, Matthias Heße und Marissa Möller.