„Es ist wichtig, jetzt nicht zu schlafen“

Moers..  Führungskräfte von St. Josef nehmen die bis heute laufenden Tage der Pflege zum Anlass, um auf den drohenden Notstand in der Kranken- und Altenpflege hinzuweisen. Michael Koziel, Leiter der St. Josef Pflege, berichtete am Montag: „Es ist wichtig, jetzt nicht zu schlafen, sonst klafft eine riesige Versorgungslücke.“

Oliver Wittig, Pflegedienstleiter im St. Josef Krankenhaus, sagt: „Der Pflegenotstand befindet sich klar im Schatten des Ärztenotstandes.“ Nach seiner Meinung gebe es eine „negative Dauerdarstellung“ der Berufsbilder Alten- und Krankenpflege. Hinzu komme viel Bürokratie. Petra Hein, die Personalleiterin von St. Josef sieht das so: „Die Belastungen steigen, während Stellen reduziert werden, oder aber das gleiche Personal ist für die Betreuung von mehr Leuten da.“

43 % mehr Pflegebedürftige

Koziel, Wittig und Hein beziehen sich auf Zahlen, die der Kreis auf einer Fachtagung der Pflegekonferenz Anfang des Jahres vorgestellt hat. Danach steigt die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 kreisweit von jetzt 16 300 auf 23 300 (43 Prozent). Im gleichen Zeitraum steige der Bedarf an Pflegekräften von jetzt 5400 auf rund 10 000 im Jahr 2030.

Aus Sicht von Hein, Wittig und Koziel muss die Politik mehr Einfluss auf die Kostenträger nehmen: „Es muss eine höhere Akzeptanz geben, in den Beruf zu gehen.“ Neben den personellen Engpässen sei der Beruf des Kranken- oder Altenpflegers wenig familienfreundlich, zum Beispiel auf Grund der Schichtdienste. Bei der Altenpflege, so Michael Koziel, sei zudem die Abbrecherquote besonders hoch.

Dass die Altenpflege als Lehrberuf zurzeit wenig interessant ist, mag man auch an der Tatsache sehen, dass von sechs Lehrstellen zurzeit nur drei belegt sind. Ausbildungsstart ist am 1. Oktober.