Erziehung und Fahndung
10.06.2010 | 16:02 Uhr 2010-06-10T16:02:00+0200
Moers.Es war eine ganz normale Doppelstreife – sieht man einmal von der Begleitung durch die Redaktion ab – zu welcher der Bezirksdienstbeamte Gerhard Tersteegen und Ulrich Rose vom Ordnungsamt an diesem Tag in der Innenstadt aufbrachen.
Doch der Ablauf wurde durch eine Vermisstenfahndung jäh un-terbrochen: Ein Betreuer hatte zwei demente 70-jährige Frauen am Schloss aus den Augen verloren.
In solchen Fällen gibt’s für Gerhard Tersteegen nur eins: alles stehen und liegen lassen und sich auf die Suche machen. Gemeinsam mit Ulrich Rose übernahm er den Schlosspark, doch kurz da-nach kam die Entwarnung: Die beiden alten Damen wurden auf der Steinstraße gesehen. Ludwig Rose nutzte den Gang durch den Park, um ein Auge auf Müll, Radfahrer und freilaufende Hunde zu haben. Auf die unzulässige Ausbreitung von Tischen und Stühlen auf der Neustraße hatte ihn zuvor der Polizeibeamte aufmerksam gemacht: Die Neustraße war damit fast zugebaut. Rose geht in die Gaststätte, redet nett mit den Angestellten. „Kein Problem, wird geändert“, sagt er, als er wieder rauskommt.
Die Drogenszene haben
sie immer im Blick
Die Drogenszene in Moers beschäftigt sowohl den Polizisten als auch den Ordnungsamtler. Beide wissen, wann sich die Abhängigen wo aufhalten, wann sie zur Methadonabgabe gehen, wann die Straßenambulanz sie am Kö und am Bahnhof versorgt. „Grüß Dich“, ruft eine junge Frau im Vorübergehen dem Mann in Uniform zu. Eine kurze Frage, wie’s geht, und die Antwort: „Mama ist im Krankenhaus.“
Dann eine Begegnung mit einem Mann, der wohl der Alkoholiker-Szene zuzuordnen ist. Wo denn die anderem seien, will Tersteegen wissen; das Gespräch endet damit, dass der Mann den Ordnungshütern einen schönen Tag wünscht und seiner Wege geht. Auf der Kirchstraße zeigt der Polizeibeamte auf ein Plastikmännchen, das der Wirt einer Gaststätte aufgestellt hat: Langsam fahren! Er hat sich schon bei der Polizei darüber beschwert, dass die Taxis und Mietwagen viel zu schnell durch die Fußgängerzone fahren, wenn sie vor den Arztpraxen die Patienten abholen.
Zu den Aufgaben eines Be-zirksdienstbeamten gehört auch die Verkehrserziehung der Kleinsten. An der Haagstraße übt Gerhard Tersteegen mit den Kindern der Kita an der Kleinen Allee, wie sie ihren zukünftigen Schulweg sicher meistern. Ganz ernst hören die Kinder ihm zu, be-folgen seine Anweisungen auf das Genaueste. An den Bordsteinrand treten, aber immer mit Sicherheitsabstand, nach rechts schauen, dann nach links, dann wieder rechts, jetzt geradeaus über die Straße. Aber die Hände dabei aus den Hosentaschen! Die Kleinen sind mit Feuereifer und Ernst bei der Sache – und Gerhard Tersteegen macht sein Job in diesem Moment richtig Spaß, man kann es ihm ansehen.
0mitdiskutieren