Erzieherinnen streiken in Kamp-Lintfort

In der Kindertagesstätte Bunte Welt in Kamp-Lintfort wurde eine Notgruppe eingerichtet.
In der Kindertagesstätte Bunte Welt in Kamp-Lintfort wurde eine Notgruppe eingerichtet.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die fünf städtischen Kindertagesstätten in Kamp-Lintfort mit rund 300 Kindern blieben geschlossen. Die Redaktion besuchte die Notgruppe in der Bunten Welt.

Am Niederrhein..  Am Montag hat der unbefristete Streik der Erzieherinnen auch den Niederrhein erreicht. Die fünf städtischen Kindertagesstätten in Kamp-Lintfort mit rund 300 Kindern blieben geschlossen, die Stadt hält aber in der Kita Bunte Welt eine Notbetreuung aufrecht. Im Familienzentrum Tausendfüßler organisieren Eltern einen Notdienst in Eigenregie.

Montag Morgen, halb neun im Kindergarten Bunte Welt. Alessia lünkert skeptisch um die Ecke in den Raum, in dem eigentlich die „Grashüpfer“ zu Hause sind. Die Hand von Mama Carina hält die Kleine fest. Alles fremd hier, sonst spielt die Sechsjährige um diese Uhrzeit in der Kita Löwenzahn, doch dort sind ihre Betreuerinnen heute nicht zur Arbeit gekommen. Sie streiken wie ihre Kolleginnen in den fünf städtischen Kitas in Kamp-Lintfort für mehr Geld.

Immerhin hat Alissia diesen Platz in der Notbetreuung bekommen – und peilt jetzt erst mal die Lage in der Bunten Welt. Die meisten Menschen hier kennt sie nicht, aber dann entdeckt sie Patricia, ein Löwenzahn-Kind wie sie, und noch jemand Vertrautes aus ihrer Kita ist da: Nina Gumzej gehört zu der Hand voll Erzieherinnen und Praktikantinnen, die die Notbetreuung aufrecht erhalten für Eltern, die für ihr Kind keine Alternative haben. Alissias Mutter Carina Fedele gehört dazu: „Ich bin alleinerziehend, meine Eltern arbeiten selbst und ich bin ab heute für zwei Wochen als Urlaubsvertretung eingeteilt.“ Ihr Arbeitgeber gab Carina Fedele schriftlich, dass sie an ihrem Arbeitsplatz unabkömmlich ist. Mit dieser Bescheinigung erhielt sie einen der begehrten 20 „Notplätze“ von der Stadt.

Während sie erzählt, hat sich Tochter Alissia längst von Mamas Hand gelöst, um mit Erzieherin Nina zu malen. Da sich die meisten an diesem Morgen nicht kennen, hat die kommissarische Chefin Annika Muffert dafür gesorgt, dass alle ein Namensschild auf der Brust tragen. Die Namen der Kinder inklusive wichtiger Informationen – etwa über Allergien – hat ihr die Stadt zuvor mitgeteilt.

„Ganz schön heftig reagiert“

Anders als die rund 50 Kamp-Lintforter Kolleginnen hat sich Annika Muffert dem Arbeitskampf nicht angeschlossen und will sich dazu nun auch nicht äußern. Es gebe eine ganze Reihe von Eltern, die zwar nicht begeistert seien, aber Verständnis hätten für den Streik und ihre Forderungen, berichtet eine Kollegin. Andere seien wütend und hätten „ganz schön heftig reagiert“.

Und wieder andere greifen zur Selbsthilfe. Der Elternrat der Kita Tausendfüßler hat nach Bekanntwerden der Streikpläne die Sache selbst in die Hand genommen. Nach einigen Telefonaten waren 16 Mütter dazu bereit, in der Einrichtung an der Moerser Straße einen eigenen Notdienst in den Räumen aufzuziehen, die den Kindern vertraut sind. Freilich handelt es sich auch hier um eine Notbetreuung, zwischen sechs und neun Mädchen und Jungen sind bis Freitag angemeldet. Zunächst für eine Woche steht der Tausendfüßler-Notdienst, versichern Melanie Boi und Yvonne Karsig während der ersten Schicht.

Beide Mütter zeigen durchaus Verständnis für den Streik. Andererseits stört es sie, dass Eltern Kita-Beiträge und Essensgeld zahlen und trotzdem für die Betreuung ihrer Kinder improvisieren müssen. Yvonne Karsig hat sich extra einen Tag frei genommen, Melanie Boi legte ihre beruflichen Termine so um, dass auch sie ihren Beitrag leisten kann: „Ein blödes Gefühl. Schön ist das nicht.“