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Entlasten, bevor die Situation kippt

17.11.2011 | 19:42 Uhr
Entlasten, bevor die Situation kippt
Im Rahmen des Projekts Wellcome hilft Carmen Balzar Familie Malmström, spielt zum Beispiel mit deren Kindern Jan (links) und Arne. Foto: Peggy Mendel

Am Niederrhein.Carola Haderlein ist Diplom-Sozialpädagogin und koordiniert Wellcome im Kirchenkreis Moers im Auftrag ihres Arbeitgebers Diakonie. Ein erfolgreiches Projekt, in dem derzeit 17 Familien betreut werden und das trotzdem vor dem Aus stand. Die Förderung lief aus. Nun hat sich der Verein „Klartext für Kinder – Aktiv gegen Kinderarmut!“ von der Notwendigkeit dieser präventiven Erziehungshilfen überzeugen lassen. Entlasten, helfen, fördern, bevor familiäre Situationen kippen.

Wellcome gibt’s mittlerweile an 160 Standorten in ganz Deutschland, das Konzept ist so einfach wie gut. Ehrenamtliche Frauen mit Erziehungserfahrung, Zeit und Sozialkompetenz verschaffen Familien, die sich subjektiv hilfebedürftig in der akuten Säuglingsphase ihres Nachwuchses fühlen, ein- bis zweimal pro Woche ein wenig Luft. Spielen mit den Kindern, gehen mit ihnen spazieren, wickeln, füttern, sind einfach da. „Das können ganz unterschiedliche Situationen sein, Wellcome ist für alle da“, sagt Haderlein. Beispiele? „Das dritte Kind ist ein Schreikind, es gibt Mehrlingsgeburten oder die Alleinerziehende mit vier Kindern, und jetzt kommen auch noch Zwillinge.“ Oft seien es Mütter mit wenig Geld und vielen Kindern, um die sich Wellcome kümmert. Auf deren Situation die Betreuerinnen ein Auge haben.

Menschen wie Carmen Balzar aus Borth. Seit einem Jahr unterstützt die 48-Jährige Wellcome-Familien. Mit Hingabe, aber auch mit Dankbarkeit. „Es gibt mir ja auch eine Menge. Meine Tochter ist 14 und sehr selbstständig. Da habe ich ein wenig Zeit, die ich sinnvoll einsetzen wollte.“ Und so kam Balzar nach Alpen zu den Malmströms, die schon bei der kleinen Eva, dem zweiten Kind, spürten, dass eine Verdopplung des Nachwuchses eine Vervierfachung des Stresses sein kann. Zumal, wenn Frauen wie Ilka Malmström „nicht viel, aber zumindest auch ein bisschen arbeiten“ möchten. Nun sind auch noch Lutz (2) und Arne (1) da, zuckersüß, aber temperamentvoll wie eine Horde Piraten. Und als Arne unterwegs war, da hörte die 40-Jährige von Wellcome und suchte den Kontakt. „Wir wollten einfach vermeiden, dass irgendwann eine Überforderung da ist. Eine ausgeglichene Mutter ist das Wichtigste für die Kinder.“ Und wenn der Ausgleich nur darin besteht, in Ruhe den Schreibtisch aufräumen oder einen Weihnachtsbaum einkaufen zu können.

Problem-Lagen, die sich in vielen Wellcome-Familien in noch verschärfter Form darstellen. Haderlein: „Wir freuen uns über jede Person, die uns bei der Betreuung helfen möchte.“ Wer sich für dieses Ehrenamt interessiert, erfährt mehr unter moers@wellcome-online.de oder unter der Telefonnummer 02842/928 4224.

Michael Passon

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