Entlassungen bei Bührmann in Moers

Es gibt nicht mehr soviele Fässer und Kisten zu schleppen, sagt Bührmann-Chefin Karin Kümper.
Es gibt nicht mehr soviele Fässer und Kisten zu schleppen, sagt Bührmann-Chefin Karin Kümper.
Foto: WAZ FotoPool
Der Getränke-Händler hat mehreren Mitarbeitern gekündigt. Dies will einer nicht hinnehmen und vors Arbeitsgericht ziehen: Der Kündigungsgrund sei vorgeschoben

Moers..  „Die Weine sind toll.“ Sagt der Neukirchen-Vluyner Uwe Kluge und stellt somit den Produkten seines Ex-Arbeitgebers das beste Zeugnis aus. Nur seinen Job bei Bührmann, den ist er los: Der ehemalige Bergmann war als Helfer beschäftigt, für sieben Euro die Stunde. Doch nun gab’s für ihn die Kündigung. 8,50 Euro Mindestlohn statt sieben Euro, das wolle die Firma nicht zahlen, so Kluge. Alles Quatsch, sagt seine Chefin Karin Kümper – in der Firma werde umstrukturiert.

Fässer und Kisten ausliefernwar ein guter Nebenverdienst

Der 60-Jährige Kluge ist schwere Arbeit vom Pütt gewohnt und fand bei Bührmann einen guten Nebenjob: Fässer und Kisten ausliefern, 57 Stunden pro Monat für 450 Euro. Uwe Kluge ist Anpassungsgeldempfänger und konnte das Geld gut gebrauchen – seit Einführung des Mindestlohns, so sagt er, sollen die Helfer bei Bührmann durch Mitarbeiter ersetzt werden, die auf Lohnsteuerkarte arbeiten. Kampflos geschlagen geben will sich der alte Püttrologe allerdings nicht, weiß er doch seine Gewerkschaft, die IGBCE, hinter sich. Dort suchte er bereits juristischen Beistand, will für seinen Job vors Arbeitsgericht ziehen.

Karin Kümper hingegen verweist die Vorwürfe hingegen ins Reich der Fabel. Die Einführung des Mindestlohns sei mitnichten der Grund für die Entlassung dreier Mitarbeiter, vielmehr sei es der Umsatzrückgang im Gastronomiebereich: „Die Gastronomie macht schlicht und ergreifend weniger, da ist nicht mehr so viel zu schleppen.“ Die Mitarbeiter würden nicht mehr gebraucht, Auslieferungstouren umstrukturiert. „Ich brauche nicht mehr zwei Leute auf dem LKW“, stellt Karin Kümper klar, und zusätzliche Vollzeitkräfte einzustellen plane sie derzeit auch nicht.

Uwe Kluge spricht hingegen von vier weiteren Kollegen, die ihren Job verloren hätten: durch drei mündliche Kündigungen sowie einen Aufhebungsvertrag. Es wird wohl nun Sache des Arbeitsgerichts sein, den Kündigungsgrund zu klären.