Einheitswerte sind nicht unbedingt einheitlich

Moers..  Betrachtet man die Checkliste, nach der die Mitarbeiter des Finanzamtes seit 1964 vorgingen, wird schnell klar, dass es bei den Einzelfallbewertungen zu Unterschieden kommen musste. Zwischen den Ausstattungsstufen I (einfachste, mit Kohleherd, Ofenheizung und Spachtelboden) und V (sehr gute, mit Einbauküche, Fußbodenheizung und Parkett) liegen Welten – je nachdem, welche Angaben dem Finanzamt gemacht wurden, ergaben sich andere Einheitswerte.

Nächster Knackpunkt: Wurden beispielsweise neue Wohnungen nicht selbst genutzt, sondern vermietet, wurden diese Mieten zur Berechnung herangezogen. Für die selbst genutzte Wohnung direkt nebenan konnte durchaus ein geringerer Einheitswert festgelegt werden. Das bedeutete einen erheblichen Personalaufwand, der sich in der heutigen Zeit nicht mehr leisten lasse, so die Finanzbeamten. Man sei daher zur so genannten „gewichteten Arbeitsweise“ übergegangen, bei der von einer „guten Ausstattung im unteren Segment“ ausgegangen werde.

Mit den heutige Werten schnitte jeder Bürger sehr gut ab, versichern die Experten der Bewertungsstelle. Allerdings seien die in den vergangenen Jahrzehnten festgelegten Einheitswerte nicht etwa falsch – sie seien nach der damaligen Verfahrensweise korrekt festgelegt worden.

Jedoch sehen die Bewertungsstellen der Finanzämter ei­nem Urteil des Bundesverfassungsgerichts in dieser Sache gespannt entgegen: „Wir sind seit 2009 in einem Schwebezustand.“ Man erwartet eine grundlegende Änderung in der Wertigkeit und bereitet sich auf Landes- und Bundesebene in Arbeitskreisen darauf vor.