Einfach eine Supersache
05.08.2011 | 17:47 Uhr 2011-08-05T17:47:00+0200
Moers.Das Klartext-Fußballcamp in Schwafheim begeisterte 30 Kinder aus dem gesamten Stadtgebiet, angeleitet von der Deutschen Fußballschule um die ehemaligen Fußball-Profis Thorsten Wohlert und Uwe Weidemann.
Der kleine Ahmet (Namen geändert) ist ein süßer Bengel mit braunen Kulleraugen und einem Spitzbuben-Lächeln. Und er guckt gerade mal über die Tischkante hier im Clubhaus des SV Schwafheim, wo 30 Mädchen und Jungen beim Mittagessen eine Menge Leben in die Bude bringen. Es ist der berüchtigte Sack Flöhe. Zwischen Hühnchen und Reis schiebt Ahmet sich verschwörerisch näher und flüstert: „Ist der braune Trainer da neu?“ Ex-Profi Jo Etouke ist einer der Fußball-Lehrer, aus der Perspektive eines Sechsjährigen riesengroß und eine absolute Respektsperson. Das Fußballcamp des Vereins „Klartext für Kinder – Aktiv gegen Kinderarmut!“ war voll von diesen besonderen Momenten.
Auf dem Platz war der Junge aus der Mattheck nicht mehr so schüchtern, da ging’s um Sport. Techniktraining, Mini-Olympia, Spiele untereinander, angeleitet von der Deutschen Fußballschule um die ehemaligen Fußball-Profis Thorsten Wohlert und Uwe Weidemann. „Klartext für Kinder“ hatte kleine Kicker aus dem gesamten Stadtgebiet eingeladen, die wohl sonst nicht in Genuss eines solchen Camps kommen würden. Morgens klapperte ein Bus verschiedene Haltepunkte ab, nachmittags ging’s erschöpft, aber glücklich zurück.
Mike war abends groggy, aber glücklich
Chef Wohlert, Typ besonnener Mittelfeld-Stratege, meinte nachher: „Sehr lebhafte, aber tolle Kinder und eine Klasse-Atmosphäre. Nirgendwo ist es so leicht, Erfolgserlebnisse zu verbuchen wie im Sport. Das hat alle unheimlich motiviert.“
Dabei war die Gruppe so was von unterschiedlich. Manche sechs, andere 13 Jahre alt, ehrgeizige Mädchen, coole Jungs, von denen mancher zumindest schon die Körperhaltung Beckenbauers draufhatte. Mike ist elf und kommt aus der City. Er war total begeistert: „Die Trainer sind ganz schön streng, aber auch lustig.“ Das stimmt. Wie Uwe Weidemann, zuletzt auch Coach von Fortuna Düsseldorf, mit der kleinen Johanna aus Meerbeck plötzlich einen Schattenboxeinlage hinlegte: zum Totlachen. Und Mikes Mutter, die am letzten Tag zum großen Abschluss mit Eltern und Geschwistern erschien, bestätigt: „Er musste abends erstmal runterkommen, war total groggy und sehr zufrieden.“
Michaela Bothen ist Sozialpädagogin in der offenen Einrichtung Römerstraße, einige aus „ihrer“ Kids hatten sich angemeldet für das Klartext-Camp. Bothen kam lünkern und war ganz baff: „Einige haben schon mal Schwierigkeiten, sich über längere Zeiträume zu konzentrieren. Aber mit welcher Disziplin und welchem Eifer sie hier drei Tage lang bei der Sache waren, das ist wirklich enorm.“ Sie lobt: „Eine Supersache, die Klartext da gestemmt hat.“
Das natürlich nicht allein. Da gab es wichtige Eckpfeiler wie die spontane Zusage von SV Schwafheim-Chef Holger Kleinekort, der Einsatz der Clubhaus-Wirte Petra und Hans Weyers oder die Begleitung durch den Schwafheimer Altherren-Fußballer Frank Lehmann, der zum Abschluss des Camps außerdem noch einen Lederball für jede kurze Nase spendete.
Und nicht zuletzt das geduldig-professionelle Training der Deutschen Fußballschule. Ein Projekt, dass Klartext gern schon in Herbstferien wiederholt. Dann vielleicht in Kamp-Lintfort oder Neukirchen-Vluyn.
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