Eine Chronik der Könige aus Neukirchen-Vluyn

Werner Ramacher und seine Frau Gisela mit den Bänden der Chronik.
Werner Ramacher und seine Frau Gisela mit den Bänden der Chronik.
Foto: Ulla Michels
Was wir bereits wissen
Werner Ramacher hat in zehn Alben Fotos und Zeitungsberichte über die Klompenkönige der vergangenen Jahrzehnte gesammelt.

Neukirchen-Vluyn/Neufeld..  Werner Ramacher kann viel erzählen. Von den Klompenbällen und den Königen und Königinnen. In zehn Alben hat der 68-Jährige Fotos und Zeitungsberichte der vergangenen Jahrzehnte gesammelt. Eine umfassende Chronik. Los ging es mit dem Klompenball 1950. Zwei Jahre später sei sein Vater Heinrich dann zum wohl ersten Klompenkönig ernannt worden, erinnert sich Werner Ramacher.

„Da ist man dann schnell zu Vutz gelaufen und hat eine Kuhkette besorgt“, führt er weiter aus. Denn: Irgendein Zeichen der Würde wollten die Organisatoren ihrem König damals schon geben. Und da lag es wohl nahe, flugs beim Eisenhändler einkaufen zu gehen. Das Symbol der Königswürde ist bis heute geblieben.

1953 trug Helmut Gabriel die Kette, ein Jahr später war es Walter Frede, dann wieder Helmut Gabriel und 1956 erneut Heinrich Ramacher. Dessen Sohn Werner war von frühester Kindheit mit dabei, seinen ersten Klompenball habe er im Alter von sechs Jahren erlebt, erinnert sich der heute 68-Jährige.

1977 war sein großes Jahr. Im Vorjahr hatten er und seine Frau Gisela Hochzeit gefeiert. Nun war der Neufelder dran. Werner Ramacher muss immer noch ein wenig schmunzeln, wenn er an seinen ersten Königstag denkt. Ihm war kurz zuvor ein Schneidezahn abhanden gekommen, und der Zahnarzt habe ihm noch ein Provisorium einsetzen wollen. Nicht nötig, befand Ramacher, er werde einfach den Mund geschlossen halten, dann würde das schon niemand merken.

Nur offenbar hatte der Klompenkönig seinerzeit nicht daran gedacht, dass es an jenem Tag viel zu lachen geben würde. Verstecken ließ sich seine unfreiwillige Zahnlücke somit nicht.

Schon damals war es ein kleines Geheimnis, wer der nächste König wird. Und somit wer die Königin. „Viele gucken, wer ein neues Dirndl anhat“, sagt Gisela Ramacher mit Blick auf die Damen. Denn die neue Kluft galt schon damals vielfach als sicheres Indiz.

Die alten Fotos hatte Ramachers Mutter Erna in Schuhkartons aufgehoben, bevor ihr Sohn daraus die Chronik machte. „Irgendwann habe ich dann damit angefangen“, sagt Werner Ramacher. Nur aus den jüngsten Vorjahren fehlen ihm die Fotos – seit die Digitalfotografie Einzug gehalten hat.

Für das Ehepaar Ramacher gibt es bis heute einen festen Termin im Kalender: den Morgen des Klompenballs. Gisela war bisher jedes Jahr mit zum Abholen des amtierenden Klompenkönigs, ihr Mann Werner hat nur einmal gefehlt.