Ein Wunder, das keines war

Moers..  Eva Vliegen, die von Renate Brings-Otremba auf den historischen Stadtgängen verkörpert wird, hat es wirklich gegeben. Sie wurde 1574 in Repelen geboren. Nach dem Tod ihrer Eltern kam Eva Vliegen in die Haagstraße zu ihrer Tante Katrin.

Weil das Mädchen nicht viel aß und trank, ging in Moers und Umgebung bald das Gerücht um, sie würde leben, ohne etwas zu essen und zu trinken.

Bald war Eva Vliegen auch über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Viele Leute kamen nach Moers in die Haagstraße, nur um das Mädchen zu sehen, das offenbar ohne Nahrung leben konnte. Auch das Ausland wurde auf die merkwürdige Geschichte der Eva Vliegen aufmerksam. Ein Porträt von ihr hängt im Museum Amstelkring in Amsterdam, und im Haus Koekkoek in Kleve gibt es einen Kupferstich.

Der Arzt Wilhelmus Fabricius (Bern) untersucht Eva Vliegen 1612. Er bescheinigt ihr, „ziemlich mager“ zu sein. Der Prediger Conradus Feldhusius lässt sie von Freunden in seinem Haus überwachen.

Das Ergebnis: Sie habe weder gegessen noch getrunken. Schließlich stellt der Magistrat ein Attest aus, das Wunder ist somit amtlich. Erst als 1628 die Tante stirbt, gibt Eva Vliegen zu, von ihr regelmäßig über all die Jahre mit Nahrung versorgt worden zu sein. Das Wunder, es ist nach 32 Jahren keines mehr. Jetzt droht ihr die „Ausweisung aus dem Land“. Prinz Friedrich-Heinrich, Moerser Landesherr, hat jedoch ein Einsehen: Eva Vliegen darf in Moers bleiben, wo sie 1637 stirbt.

Renate Brings-Otremba, die Eva Vliegen von heute, ist zertifizierte Kirchen- und Kulturlandschaftsführerin.

Seit 2008 ist Renate Brings-Otremba Gästeführerin im Kloster Kamp, seit 2012 zusätzlich Stadtführerin in Moers. Den hier beschriebenen Stadtgang bietet sie seit 2014 an. Seit diesem Jahr gibt es auch einen Stadtrundgang zum Thema Frauenschicksale.