Ein Kamp-Lintforter auf dem Weg ins Finale

Jan Christopher Heßling.
Jan Christopher Heßling.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Der elfjährige Gitarrist Jan Christopher Heßling gilt als großes Talent. Dem Leiter der Musikschule ist seit 30 Jahren kein vergleichbares Talent begegnet.

Kamp-Lintfort..  Wenn Jan Christopher Heßling beginnt, die „Parazula“ des brasilianischen Komponisten Celso Machado zu zupfen, vergisst man als Zuhörer schnell, dass hier ein elfjähriger Junge Gitarre spielt. So klar, so umwerfend und berührend füllt die Musik den Raum in der Kamp-Lintforter Musikschule, dass man sich urplötzlich in einem großen Konzertsaal wähnt.

Es habe ein bisschen gedauert, bis er gemerkt habe, dass er mit seiner Musik Menschen berühren könne, sagt Jan. Andere haben das schneller gemerkt. „Jan ist sehr talentiert“, bestätigen nicht nur Musikschulleiter Martin Begall, sondern auch andere Fachleute: Beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ gewann der Schüler der Musikschule Kamp-Lintfort den ersten Platz seiner Alterskategorie und erreichte als einziger teilnehmender Gitarrist das Traumergebnis von 25 Punkten – eine Punktzahl, die die Jury nur selten vergibt. Im März geht es nun zum Landeswettbewerb nach Düsseldorf.

Wie oft er solchen Talenten in seiner knapp 30-jährigen Laufbahn als Musikschullehrer bislang begegnet ist? „Einem solchen Talent wie Jan noch nie. Das hatte ich noch nicht, einen jungen Musiker, bei dem wirklich alles passt,“ sagt Begall. „Bei Jan kommt vieles zusammen: Er hat die Bewegungsvoraussetzungen, die Musikalität und nicht nur Lust, vorzuspielen, sondern auch kein Lampenfieber.“

Erste Gitarre vom Trödel

Jan Christopher ist sieben Jahre alt, als er bei einem Bummel über einen Trödelmarkt in Neukirchen-Vluyn eine gebrauchte Gitarre für vier Euro ersteht.

„Erst dachte ich noch, schon wieder so ein Ding, was dann zu Hause rumsteht“, erzählt Mutter Sabine Heßling. Doch sie und ihr Mann Heinz erkennen schnell, dass die gebrauchte Gitarre einen Funken entfacht, und melden Jan in der Musikschule an.

Er möge den Klang, begründet der Schüler des Forster-Gymnasiums, warum er sich ausgerechnet für die klassische Gitarre entschieden hat. Er schätzt den großen Paco de Lucia, die Musik lateinamerikanischer Komponisten und vor allem Johann Sebastian Bach. Letzteren gibt es bei den Heßlings des öfteren in voller Breitseite – Jan besitzt die komplette Bachkollektion auf 157 CDs. Was ihn am Barockkomponisten so fasziniert? „Die Vielfalt der Stücke“, sagt Jan.

Musikschulleiter Martin Begall weiß, dass Jans Musikgeschmack nicht gerade als massentauglich unter seinen Altersgenossen gilt. „Es ist selten, dass sich ein Kind so von innen heraus für diese Art von Musik interessiert.“ Zweimal treffen sich Lehrer und Schüler in der Woche zum Unterricht, wenn es auf einen Wettbewerb zugeht, auch schon mal öfter.

Nach Lust und Laune

Zuhause übt Jan nach Lust und Laune, „meistens so eine Dreiviertelstunde täglich“, sagt Jan. Wenn er nicht Musik macht, liest er gerne Sachbücher. Oder daddelt auf seinem Handy – das wiederum dürfte dann doch als massentauglich in seiner Altersklasse gelten.

Egal, wie gut Jan Anfang März beim Landeswettbewerb in Düsseldorf abschneidet – für ihn ist es so oder so bereits das Finale. Für Musiktalente seines Alters ist auf Landesebene Schluss. Martin Begall sitzt selbst häufig in der Jury von „Jugend musiziert“ und weiß, dass Jan Christopher gute Chancen hat. Denn: „So ein Talent wie Jan ist auch in NRW eher selten.“