Ehrung eines Vollblutpolitikers

Bürgermeister Christoph Fleischhauer (2.v.re.) überreichte Willli Brunswick die Ehrenbürgermeisterurkunde. Links Ehefrau Christel Brunswick, außerdem (v.li.) Karl-Heinz Brohl, stellvertretender Bürgermeister von 1984 bis 1999, Ron Round, ehemaliger Ratsvorsitzender von Knowsley, SPD-Fraktionschef Marc Rosendahl, Festredner Jürgen Schmude und Yoel Lavi, Bürgermeister von Ramla.
Bürgermeister Christoph Fleischhauer (2.v.re.) überreichte Willli Brunswick die Ehrenbürgermeisterurkunde. Links Ehefrau Christel Brunswick, außerdem (v.li.) Karl-Heinz Brohl, stellvertretender Bürgermeister von 1984 bis 1999, Ron Round, ehemaliger Ratsvorsitzender von Knowsley, SPD-Fraktionschef Marc Rosendahl, Festredner Jürgen Schmude und Yoel Lavi, Bürgermeister von Ramla.
Foto: FUNKE Foto Services
Nach einem einstimmigen Ratsbeschluss ist Willi Brunswick in einer Feierstunde mit 130 Gästen im Martinstift zum Moerser Ehrenbürgermeister ernannt worden

Moers..  Fast 22 Jahre, von 1978 bis 1999, war Willi Brunswick Bürgermeister von Moers. Er war der letzte ehrenamtliche Bürgermeister der Grafenstadt. Seit gestern ist er auch Ehrenbürgermeister von Moers. Im Kammermusiksaal des Martinstifts verlieh Bürgermeister Christoph Fleischhauer dem „Vollblutpolitiker“ Brunswick die Ernennungsurkunde. Der Rat hatte die Ehrung des 76-Jährigen im Februar einstimmig beschlossen.

130 Gäste waren der Einladung gefolgt, Weggefährten, Freunde, darunter Yoel Lavi, Bürgermeister der Partnerstadt Ramla, Ron Round, ehemaliger Ratsvorsitzender von Knowsley, Christel Rasche-Hüsch und der frühere Bundesminister Jürgen Schmude, der die Festansprache hielt.

Auf die Frage, was ihm diese Auszeichnung bedeute, sagt Willi Brunswick im Gespräch: „Zum guten Schluss bin ich stolz drauf.“ Nach 15 Jahren „Gehampele hin und her“ werde er heute noch mit „Herr Bürgermeister“ angesprochen, und im Laufe der Jahre habe sich die Bezeichnung Altbürgermeister eingeschlichen, obwohl ihm auch dieser Titel nie vom Rat verliehen wurde.

Erinnerungen sprudeln aus ihm nur so heraus. Die Tage, in den die Zechen geschlossen wurden und Krupp in Rheinhausen dicht machte, die Tage, in denen in der Folge so viele arbeitslos wurden in Moers. Auch das Technologiezentrum Eurotec wurde zu seiner Zeit aus der Taufe gehoben: „Wir wollten eigentlich ein ‘Moers Valley’ bauen, aber das hat nicht geklappt.“ Stolz ist er, bei der Ansiedlung von Onken in Hülsdonk „seine Finger im Spiel“ gehabt zu haben.

Wilhelm Brunswick denkt zurück an die Tage im Juni 1987, als er alte Moerser traf, die vor dem Holocaust aus der Stadt geflohen waren und zur Einweihung des Synagogen-Bogens zurückkehrten: „Das ging stark unter die Haut.“ Auf die Überreichung der Ehrenbürger-Urkunde der Partnerstadt Ramla sei er nicht vorbereitet gewesen – auch das ein sehr emotionaler Moment seines Lebens.

Wie er zur Politik kam ist eine Geschichte, die den Rahmen dieses Artikels mühelos sprengen würde. Nur so viel: 1949 überredete er seine Mutter, die NRZ zu abonnieren, damit er die Kommentare lesen konnte – ein politischer Mensch sei er bereits mit zehn Jahren gewesen.

Was sagt er, der er sein Leben lang politisch tätig war, zu dem schlechten Ruf, den Politiker heute genießen? „Die wenigsten sind authentisch. Die quasseln Klamotten nach, die man ihnen aufgeschrieben hat.“ Nur ein einziges Mal habe er eine Rede gehalten, die er nicht selbst geschrieben habe, und sofort sei sein alter Kumpel Karl-Heinz Brohl gekommen: „Das war nicht Deine Rede.“ Diesen Fehler hat Wilhelm Brunswick nicht wiederholt. Er bewahrt Manuskripte all seiner Neujahrsreden auf: „Nicht eine einzige ist so gehalten worden. Wenn ich auf dem Podium stand, ist mir meist etwas Neues eingefallen.“

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