Gesellschaft
DRK-Chef soll SPD-Politiker Yetim beleidigt haben
01.09.2010 | 20:04 Uhr 2010-09-01T20:04:00+0200
Moers.„Dass die SPD einen Türken aufgestellt hat. Haben die keinen Deutschen?“ Mit diesen Worten soll der Moerser Chef des Deutschen Roten Kreuzes, Johann Kölscheid, den Landtagsabgeordneten Ibrahim Yetim (SPD) öffentlich attackiert haben.
Thilo Sarrazin grüßt Moers: Nach Informationen der Redaktion hat der Vorsitzende des hiesigen Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Johann Kölscheid, den SPD-Landtagsabgeordneten Ibrahim Yetim wegen dessen türkischer Abstammung attackiert.
Nicht irgendwo, sondern auf dem Repelener Dorffest. Was sich zunächst als böses Gerücht durch die Basis fraß, gibt’s jetzt wohl Schwarz auf Weiß. Der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Siegmund Ehrmann bestätigte der Redaktion, dass ein Schriftverkehr zu diesem Vorfall existiert.
Vortrag über Kirchenverbot in Istanbul
Was war passiert? Yetim, der sich auf dem Dorffest tummelte, wünschte einer Gruppe von drei Männern einen schönen Tag. Er erklärt rückblickend knapp: „Ich glaubte, einen von ihnen zu kennen, und wollte einfach grüßen.“ Ein anderer aus der Gruppe habe mit einer gewissen Betonung bemerkt: „Einen schönen Tag hatten wir.“ Yetim wollte daraufhin wissen, was denn nicht so gut sei. „Dass die SPD einen Türken aufgestellt hat. Haben die keinen Deutschen?“, habe der Mann geantwortet, bei dem es sich um Johann Kölscheid gehandelt habe, ein Repelener Urgestein und Vorsitzender des DRK in Moers. „Ich habe mir Respekt und mehr Toleranz erbeten“, erzählt Yetim. „Stattdessen bekam ich auch noch einen Vortrag über das Kirchenverbot in Istanbul. Ich war fassungslos, zornig und wandte mich ab.“
Der Bundestagsabgeordnete Ehrmann schrieb in seiner Eigenschaft als Moerser SPD-Chef an Kölscheid, unterbreitete ein Gesprächsangebot. Im Anhang die Antrittsrede von Bundespräsident Christian Wulff, in der es unter anderem heißt: „Wann wird es selbstverständlich sein, dass jemand mit den gleichen Noten die gleichen Aussichten bei einer Bewerbung hat, egal ob er Yilmaz oder Krause oder anders heißt?“ Kölscheid, den die Redaktion im Urlaub erreichte, hat da wenig Bedarf: „Ich habe mich entschuldigt, für mich hatte sich die Sache erledigt.“
Für „Türken“ entschuldigt
Für die SPD auch? Ehrmann will aus dem Antwortschreiben nicht zitieren, sagt lediglich: „Herr Kölscheid hat sich dafür entschuldigt, Herrn Yetim als ,Türken’ bezeichnet zu haben.“ Und schiebt hinterher: „Es ist unglaublich wichtig, dass Menschen in so hoher Verantwortung wie der eines DRK-Vorsitzenden dazu beitragen, dass Ressentiments in unserer Gesellschaft nicht noch geschürt werden.“
Beim DRK-Kreisverband war am Mittwoch keine Reaktion mehr zu bekommen.