Dieter Nuhr begeisterte im Moerser Enni-Sportpark

Was wir bereits wissen
Immer dieses Rumgeheule und Gejammer: Der Kabarettist blickte humoristisch auf die Leidenswilligkeit der Deutschen

Moers..  Eigentlich geht es uns in Deutschland doch ziemlich gut. Wir leben in einem demokratischen System und können wählen gehen, ohne im Anschluss gefoltert, oder erschossen, zu werden. Wie kommt es also, dass wir Deutschen trotzdem immer etwas zu meckern haben? „Wir leben hier in diesem Hort der Zivilisation und heulen uns den ganzen Tag die Hosen voll“, brachte es Kabarettist Dieter Nuhr am Samstagabend im ausverkauften Enni-Sportpark auf den Punkt.

Schwarzhumorig, aber nicht zynisch

Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, stellte der Komödiant nahezu alles in Frage, ohne dabei viel Rücksicht auf politische Korrektheit oder „selbsternannte Minderheiten“, wie Vegetarier, zu legen. Dem Leben begegnet er schwarzhumorig, aber keineswegs zynisch. Seine Hauptintention an diesem Abend: den Menschen das Jammern abzugewöhnen. „Ein positives Leben beginnt im Kopf.“ Um das zu erreichen, war ihm jedes Mittel und jedes Thema recht. Er schnitt aktuelle politische Themen an, knöpfte sich die Einstellung der Jugend vor, erklärte, warum Hühner keine Menschen sind und zerpflückte die Statistiken über den Zusammenhang von Handystrahlung und Hirntumoren.

Direkt zu Beginn lockerte er die Stimmung auf, indem er dem Rapper Bushido, seine eigene Fäkalsprache um die Ohren haute. „Ich habe es in die neue Single von Bushido geschafft“, berichtete Dieter Nuhr. Um Bushido nicht zu beleidigen, konterte er, wie es das Gesetz der Szene vorschreibt, ebenfalls mit einem „Diss-Rap“. „Eh dein Gedisse, zieh ich mir durch die Ritze“, lautete eine der harmloseren Passagen.

Das Publikum kringelte sich vor Lachen, jede Pointe war ein Volltreffer und wurde gleich darauf wieder getoppt. Trotz Abschweifungen zog sich ein roter Faden durch Nuhrs Programm. „Enttäuschung lässt sich im Leben, nur durch niedrige Erwartungen, vermeiden.“

Nicht nur einfach unterhalten

Teilweise redete sich Nuhr dabei richtig in Rage, so dass manchem klar wurde: hier will jemand zum Denken anregen, nicht nur einfach unterhalten. „Wir leben ja nur in Weltuntergängen“, sagte er und zählte prompt die zahlreichen Katastrophen der letzten Jahre auf. Egal, ob es um den Umweltschutz, politische Korrektheit oder Gleichberechtigung geht, irgendjemand fühle sich doch immer diskriminiert, sagte Nuhr. „Kann es sein, dass wir bei der Verbesserung unserer Welt manchmal übers Ziel hinausschießen?“

Vielleicht sei es manchmal einfach besser, dumm zu sein, dadurch weniger Ängste zu haben und früher zu sterben – alles eine Auslegungssache.

Nach der Pause fühlte sich nur Nuhr genötigt, einiges klar zu stellen, um Missverständnisse zu vermeiden, damit ihn später kein „Shitstorm“ von gut organisierten Vegetariern oder Klimaforschern erwischt. „Ich bin einfach skeptisch, wenn mir jemand nicht das Wetter in zwei Wochen voraussagen kann, aber behauptet, er könne errechnen, wie der Meeresspiegel in 100 Jahren ansteigt.“ Was nicht bedeuten sollte, dass es keine Klimaerwärmung gäbe ...

Da geht sogar die Werbung ...

Was auch immer Nuhr thematisierte, er brachte es humorvoll und souverän rüber. Selbst die unterschwellige Werbung für sein Buch „Das Geheimnis des perfekten Tages“, verpackte er so lustig, dass man ihm dies nicht übel nehmen konnte. Keine Frage, die Menschen gingen an diesem Abend gut amüsiert nach Hause. Mit genügend Material, um auch noch Tage später darüber nachzudenken ...