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Dieter Nuhr begeisterte als Kapitalismus-Kritiker in Moers

06.10.2009 | 15:28 Uhr
Dieter Nuhr begeisterte als Kapitalismus-Kritiker in Moers

Moers. Die Bühne ist karg. Ein dreibeiniger Tisch mit einem Glas Wasser darauf, ein langer Vorhang. Nichts soll ablenken von dem Mann, der problemlos die große Sporthalle des Adolfinums gefüllt hat: Dieter Nuhr. Der Comedian teilte hart aus. Von den Linken bis zur FDP bekamen alle was ab.

Dieter Nuhr: „Die Regeln werden immer von den Ungerechten gemacht.” Foto: Ralf Rottmann.

„Letztes Mal habe ich was über den Vorhang gesagt. Damals war er schwarz und rissig. Jetzt ist er grau und rissig. Mit anderen Worten: Er ist gewaschen worden.” Ein erster Lachsturm geht durchs Publikum, das kurz darauf von Nuhr erfährt, dass er eigentlich zur Panik neigt und sich deshalb immer wieder sagt: „Nuhr die Ruhe”. Egal ob nun Neunaugen über Ostseeschwimmer herfallen oder ein Affenmensch in Polen gesichtet wurde. Bei dem könnte es sich schließlich um einen NPD-Wähler aus dem Elbsandsteingebirge handeln.

Hitler, die Linke und die FDP

Dass aus Deutschland eine Weltfinanzsteuer vorgeschlagen wurde, kommentiert er mit einem „Ist es wieder so weit.” Und schiebt nach einer kleinen Kunstpause nach. „Der letzte, der es versuchte, war Österreicher.”

Das Publikum jubelt. Alle bekommen was ab. Auch die „Linke” mit ihrem Wahlslogan „Reichtum für alle”. Der sei so gut, dass er sich gesagt habe: „Dass du da nicht drauf gekommen bist!” . Gleich daneben ein Plakat mit der Forderung „Reichtum besteuern”. Das sei ja gerade so wie die Selbstbefruchtung in der Natur und gar nicht so weit weg von der FDP: „Man bezahlt seinen Reichtum selbst.”

Der kleine Unterschied bei der Rasierfarbe

Auch die Wirtschaftskrise thematisiert er in seinem neuen Programm - vergleicht sie mit einem Bungee-Sprung, bei dem sich erst ganz am Ende heraustellt, ob ein Seil da ist. Doch Nuhr ist viel in der Welt unterwegs, sieht aus anderen Blickwickeln Deutschland und seine schwergewichtige Fastfood-Gemeinde: „Das sind keine Hungerödeme, sondern ganz ordinäre Wampen.”

Deutschland jammert - andauernd und auf hohem Niveau. In Afghanistan, da hätten die Taliban Krankenhäuser für Frauen mit der Begründung verweigert, es gäbe auch keine für Schafe. Das reine Mittelalter. Hier gebe es hingegen zwischen Männern und Frauen allein einen Unterschied: bei der Rasiererfarbe.

Geisteskranke und Volksmusiker

Dieter Nuhr, hier bei einem Auftritt in der Westfalenhalle. Foto: Ralf Rottmann.

Er selbst habe schon zu viele Weltuntergänge erlebt. Dem Waldsterben sei das Ozonloch gefolgt, die bis zum Erdmittelpunkt vordringende Kernschmelze, der Rinderwahn, die Klimakatastrophe, die Vogelgrippe aus der die Schweinegrippe wurde. „Zu großer Panik bin ich nicht mehr in der Lage”, bekennt Nuhr und bedauert: „Wir haben eine positive Weltsicht den Geisteskranken und den Volksmusikern überlassen.”

Und da sich niemand beim Versuch, zur Ruhe zu kommen, auf göttliche Hilfe verlassen könne, empfiehlt er Gelassenheit. Wenn einer zu dem Schluss komme, 1 + 1 = 1 Milliarde, dann rechne der halt anders - arbeite in einer Investmentabteilung und bekomme dafür auch noch einen Bonus. „Das unmenschliche am Kapitalismus ist, dass nicht alle einen Bonus bekommen”, findert er - und legt wenig später nach: „Die Regeln werden immer von den Ungerechten gemacht.”

Doch letztlich sei auch das eine Sache der Vermittlung. Wenn der Dalai-Lama den Weg „durch Armut zur Erleuchtung” weist, warum das nicht auch auf Hartz IV-Empfänger anwenden oder auf Arcandor-Aktionäre. „Man muss es ihnen halt nur erklären.”

Volker Strommenger

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