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Dieser Weg wird kein leichter sein

12.03.2012 | 16:13 Uhr
Dieser Weg wird kein leichter sein
/ WAZ-FotoPool

Moers. Über 30 Zuschauer kamen am Sonntag ins Studio des Schlosstheaters. „Ich weiß nicht, ob wir das in Düsseldorf auch so hingekriegt hätten“, freut sich Melanie van Dijk über das interessierte Moerser Publikum.

Seit acht Jahren ist die 30-jährige Sozialpädagogin pädagogische Leiterin im Kinderhospiz „Regenbogenland“ in Düsseldorf und brachte Geschichten, Fotos und einen Film mit, den der 17jährige David Franczyk bis wenige Tage vor seinem Tod mit Helfern aus dem Haus gedreht hatte.

David litt an Muskeldystrophie und starb im März 2010 im Hospiz. Zu seiner Beerdigung lief Musik von Xavier Naidoo: „Dieser Weg wird kein leichter sein...“

Leben und Tod liegen so nah beieinander

David beschreibt auch den Abschiedsraum des Hauses, vor dem er zunächst Angst hatte: „Hier ist es sehr kalt. Und diese Kiste ist ein Kühlbett.“ Sieben Tage lang gibt es hier Zeit für den Abschied. Davids kleiner Bruder half ihm, für ein verstorbenes Mädchen eine Kerze aufzustellen. „Das war ein merkwürdiges Gefühl. Vertraulich.“

Danach hatte David keine Angst mehr. „Ich bin gern hier“, sagt nun der Junge, dessen Sprache manchmal schlecht zu verstehen ist. Plötzlich fährt er seinen Rollstuhl in Rückenlage und erklärt: „Und so ist es mir gemütlich. Oder wenn mir etwas weh tut. Das tut so gut!“ So eng liegen hier Leben und Tod nebeneinander, dass es einen als Beobachter fast zerreißt. Denn das Leben – das ist hier die ständige Botschaft – ist etwas, das Gelegenheit haben muss, sich zu ereignen, bevor es zu Ende geht.

Justin war elf Jahre, als er gehen musste. Ärztliche Diagnose: Hirntumor, nur noch wenige Wochen zu leben. Melanie van Dijk gab ihm ein Buch, in dem schwer kranke Kinder von ihrem Leidensweg berichten. „Das ist nichts für mich!“, schrie der Junge und warf ihr das Buch vor die Füße. Erstmal ging es für Justin ums Leben. Das Weihnachtsfest wollte er unbedingt noch feiern . Er besichtigte Weihnachtsmärkte, fing an, Nikolausfiguren aus Schokolade zu sammeln. Eine Woche vor seinem Tod verschenkte er die Nikoläuse und fragte jetzt alle im Hospiz, wie es wohl nach dem Tod sein würde. Er bräuchte jetzt ein Handy, meinte er dann. Da sich jeder etwas anderes unter dem Jenseits vorstellte, wollte er später anrufen und berichten.

„Justin ist nicht spurlos an mir vorübergegangen“, erklärt Paul Hildebrand dazu. „Wie andere auch. Und er ist immer noch da.“ Paul Hildebrand ist Rentner und einer von etwa 60 ehrenamtlichen Helfern des Hospizes. Rund 200 Familien werden betreut, auch noch nach dem Tod des Kindes. Acht Plätze stehen im Hospiz zur Verfügung. „Zum Glück recht große Räume“, berichtet Melanie van Dijk. „So konnten wir einmal viele Couchgarnituren zusammenstellen, als eine ganze Familie mit einem Kind Geburtstag feiern wollte.“

Das Schlosstheater dringt mit der Reihe „überGehen“ immer weiter in Räume vor, die sonst hinter verschlossenen Türen liegen.

Eine Dame aus dem Publikum fasste am Sonntag alles Wichtige zusammen: „Ich empfinde es als wohltuend, dass es Menschen und Einrichtungen gibt, die Eltern beistehen, bei dem Schlimmsten, was ihnen geschehen kann.“

Holger Müller

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