Die Seemannsmission der Diakonie berichtet Schlimmes

Auch für die Seeleute keine einfache Aufgabe.
Auch für die Seeleute keine einfache Aufgabe.
Was wir bereits wissen
Handelsschiffer sehen viel Elend im Mittelmeer. 5000 Flüchtlinge wurden bisher gerettet. Der Kirchenkreis Moers hat Kontakt zur Seemannsmission. Und ermahnt die Politiker.

Moers..  Das Schicksal von Flüchtlingen im Mittelmeer beschäftigt auch den Kirchenkreis Moers. „Was wir von der Seemannsmission der Diakonie hören, hat uns entsetzt“, sagt Ferdinand Isigkeit, Superintendent des Kirchenkreises Moers. „Es macht deutlich, dass dringend politische und humanitäre Schritte unternommen werden müssen und dass, wenn eine Flucht unvermeidbar ist, das Leid minimiert wird.“ Der Kirchenkreis unterhält enge Kontakte zur Seemannsmission.

„Ich möchte nie mehr mit meinem Schiff über Kinderrucksäcke fahren“, sagt ein Seemann, der im Mittelmeer Dienst tut. Nicht nur die Marine ist mit dem Leid der Flüchtlinge konfrontiert, sondern auch die Seeleute auf den Handelsschiffen. Sie sehen Leichen im Wasser schwimmen, Kleidungsstücke und Habseligkeiten von Flüchtlingen. Vor ihren Augen ertrinken Menschen oder sie sterben nach der Rettung unterkühlt an Bord. Zusätzlich zu dem Schock der Erlebnisse haben die Helfer ein schlechtes Gewissen, nicht früher zur Stelle gewesen zu sein.

„Wo sie helfen können, sind sie von ihren Aufgaben überfordert“, berichtet der Superintendent weiter. Die Schiffe sind nicht für die Aufnahme vieler Menschen ausgelegt, es fehlt an sanitären Einrichtungen, die Flüchtlinge leiden unter schlimmen Traumata, und die Besatzungen haben kein Fachwissen. Obwohl die Seeleute zur Rettung Schiffbrüchiger verpflichtet sind, werden sie bisweilen an Land als Schlepper diskriminiert, ihnen droht juristischer Ärger.

Auf diese Situation weist die Deutsche Seemannsmission jetzt in ihrer aktuellen Publikation „Lass fallen Anker“ hin. Nach Angabe der Zeitung haben Seeleute der Handelsschifffahrt mehr als 5000 Flüchtlinge gerettet.

Die Seemannsmission ist die weltweit arbeitende Evangelische Seelsorge und Diakonie für Seeleute. Unter anderem in Alexandria, Genua und Piräus steht die Seemannsmission den Seeleuten seelsorgerlich zur Seite.

Seeleuten zur Seite gestanden

„Ich war selbst vor vielen Jahren in Alexandria für die Seemannsmission tätig“, sagt Rainer Tyrakowski-Freese, Geschäftsführer der Grafschafter Diakonie. „Ich habe damals vielen Seefahrern zur Seite stehen können. Was sich aber zurzeit tut, bedarf der sofortigen politischen Lösung.“

Der Kirchenkreis Moers steht in langer Verbundenheit zur Deutschen Seemannsmission. Neben Rainer Tyrakowski-Freese war auch der ehemalige Superintendent Jürgen Thiesbonenkamp für die Seemannsmission aktiv und in Westafrika als Seemannspastor tätig. Das Jugendzentrum Tempel der Evangelischen Friedenskirchengemeinde hatte lange eine Patenschaft mit der Seemannsmission in Antwerpen. Die Diakonie in Moers hatte in früheren Aktionen Wintermäntel für Seeleute im Hafen von Antwerpen gesammelt.