Die Sackgasse wird zum Durchgang

Blick auf den alten Tunnel aus Richtung Lotharstraße. Foto: Christoph karl Banski / FUNKE Foto Services
Blick auf den alten Tunnel aus Richtung Lotharstraße. Foto: Christoph karl Banski / FUNKE Foto Services
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Am Moerser Bahnhof wurde am Sonntag der Tunneldurchstich zur Lotharstraße geschafft. Derzeit wird rund um die Uhr gearbeitet und eine Menge Lärm gemacht

Moers..  Auf einmal sieht man das andere Ende des Personentunnels am Moerser Bahnhof. Seit Sonntag Vormittag kann man durchgucken, vom Bahnhofvorplatz zur Lotharstraße. Ein historischer Moment. Aus der Jahrzehnte alten Sackgasse wird ein Durchgang.

Noch liegt Staub in der Luft. Eine überdimensionale Kreissäge fräst Beton aus der Mauer. Schallschutzmatten dämmen den Lärm etwas ein. Zwei Teams arbeiten zurzeit in 12-Stunden Schichten nonstop durch, um in vierzehn Tagen den neuen Personentunnel am Moerser Bahnhof fertigzustellen. Dieses Ziel hat die Deutsche Bahn vorgegeben.

Die Bauarbeiten sind in der heißen Phase, gearbeitet wird Tag und Nacht, da die Bahn ein sehr enges Zeitfenster vorgegeben hat. Innerhalb von vierzehn Tagen müssen die Arbeiten abgeschlossen sein. In dieser Zeit wird der Zugverkehr auf dem Gleis eingestellt. Die Anwohner waren zuvor per Handzettel informiert worden, dass es lauter werden kann. Auch nachts.

Bisher sieht es gut aus und Günter Küppers und Harald Detemple von der Arbeitsgemeinschaft Personentunnel Bahnhof Moers sind zuversichtlich, dass sie den Zeitplan einhalten. „Wir haben Zeitpuffer eingeplant. Aktuell sind wir sehr gespannt darauf, ob das neue Tunnelstück sich am Montag einpassen wird.“

Heute Mittag wird es spannend. Auf einem Stickstoffpolster soll das neue Tunnelstück an das alte herangeschoben werden. Dazu wird es komplett angehoben. „Dies geschieht ohne Reibung“, erklärt Detemple. Wenn alles klappt, wird sich das 1800 Tonnen schwere Tunnelstück auf den Gleitschienen perfekt an die bereits bestehende Wand des alten Tunnels anschmiegen. „Wenn dieser 14 mal 13 Meter große Betonkorpus einmal steht, dann steht er und ist unverrückbar.“ Er sehe jedoch keine Probleme, denn es gab bereits einen Probehub und zuvor war alles mit einem GPS- System ausgemessen worden. Dieses misst bis auf wenige Zentimeter. „Die lassen wir als Toleranz“. Auch die Anwohner spielen mit, zeigen großes Interesse an „ihrem“ Tunnel. Besonders die geplanten Gepäck- und Personenaufzüge stoßen auf Zustimmung. .

Mit dem Durchbruch gewinnt der Bahnhof an Attraktivität. Dunkle und schmutzige Ecken, sogenannte Angsträume, sollen verschwinden, da der Personentunnel höher und mit 15 Metern auch deutlich breiter wird. Der Bahnhof und die Gleise sind demnächst von beiden Seiten aus erreichbar. Das erspart Umwege.

Der Bahnhof soll ein attraktives Tor zur Stadt darstellen. Durch umfangreiche Sanierung haben sich bereits die Fassade und der Bahnhofsvorplatz zum Positiven verändert. Nun ist der Personentunnel an der Reihe. Die Stadt setzt dabei rund 1,8 Millionen Euro ein, um die Ostseite des Bahnhofsgeländes direkt an Meerbeck anzubinden. Hierbei wird sich auch das Tunnel-Innenleben verändern. So entstehen Aufzüge für den barrierefreien Zugang zu den Gleisen. Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen tragen mehr als drei Viertel der Kosten.

Neben Andreas Ittermann, Abteilungsleiter für den Bereich Planung und Bau der Enni, sind auch zwei Fachfirmen sowie Rainer Knauf mit dem Bau beauftragt, der unter anderem den Bau des Rathauses leitete. In der zweiten Jahreshälfte geht es an den Ausbau des Innenlebens des Bahnhofs. Bis Januar 2016 sollen die Arbeiten endgültig abgeschlossen sein.