Die Pflanzen und die Kloschüssel in Kamp-Lintfort

Foto: Ulla Michels
Was wir bereits wissen
Der Differenzierungskurs der 9. Klasse am Georg-Forster-Gymnasium zeigt, wie man aus einem schnöden Stück Schulhof einen blühenden Schulgarten zaubern kann.

Kamp-Lintfort..  Es gibt einfachere Bedingungen, unter denen man gärtnern kann. Das ist schon ganz schön sportlich, was sich Biologie-Lehrerin Sabine Wiedner-Schneider und ihre Schüler aus dem Differenzierungskurs der 9. Klasse am Georg-Forster-Gymnasium vorgenommen haben. Einen blühenden Schulgarten an einem Ort auf dem Schulhof zu erwecken, der ziemlich tot aussieht. Bis auf zahlreiche quietschlebendige Kaninchen, die bekanntermaßen wenig Freunde bei den Gartenliebhabern haben.

Insofern gibt es schon mal eine Vorgabe, die unbedingt einzuhalten ist, wenn auch nur irgendwas erblühen soll: Fast alles muss hoch gestellt werden. Sinnfällige, aber auch kreative Beispiele dafür: der bepflanzbare Einkaufswagen, die ausgediente Kloschüssel und das alte Bügelbrett als Blumenkasten-Ständer – samt Bügeleisen zur Deko. Gerade sind Anna und Leon dabei, die frisch erstandenen Beeren in die Pflanzkörbe zu setzen: schwarze Johannisbeeren, Himbeeren. Die dürfen auch am Boden bleiben. Die Lehrerin ist zuversichtlich, dass die Langohren diese Kost verschmähen. Die Erde allerdings ist bretthart, die Pflanzen hoffentlich auch. Der Kompost noch nicht alt genug, schließlich gibt es den Schugarten erst seit dem vergangenen Jahr. Immerhin reckt die Pfingstrose schon einige Blüten ins Licht. Anna ist das Gärtnern von zu Hause gewohnt. Da hilft sie auch schon mal. Das ist sicher nicht bei allen Schülern so: „Manche kennen das ja gar nicht“, weiß Sabine Wiedner-Schneider.

Marie hat den unter Gärtnern wohl den unbeliebtesten Job übernommen: Sie rupft Brennesseln und anderes Unkraut raus: „Ach, mit Handschuhen geht’s“, sagt sie lachend. Nein, da kann die Pädagogin nicht meckern, die jungen Leute hängen sich schon ganz schön rein – auch wenn die Liebe zu einem Schulgarten naturgemäß nicht so dauerhaft und innig ist wie die des Schrebergärtners zu seiner Scholle. „Aber sie bleiben auch schon mal freiwillig freitags nach der sechsten Stunde, um nach dem Rechten zu sehen.“ Oder fragen von sich aus nach einem Besen. Da sage noch einer was Schlechtes über junge Leute.

Auch die Kinder aus der Übermittagbetreuung werfen schon mal ganz uneigennützig ein Auge auf das Hochbeet. Da wachsen nämlich die Kartoffeln heran, die sie demnächst in der Pause verkochen und verspeisen wollen. Ebenfalls auf reiche Ernte hoffen die Gymnasiasten bei den Bohnen, den Tomaten, den wenigen Erdbeer-Pflanzen oder den Kräutern.

Und doch bleibt es ein zuweilen mühsames Geschäft mit so einem Schulgarten. Der darf ja nicht viel kosten. „Anfangs hatten wir noch nicht mal einen Wasseranschluss“, sagt die Lehrerin.