Die Moerser fühlen sich sicherer denn je

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Was wir bereits wissen
Der Unterschied zum Bürgerbarometer 2012 ist erstaunlich: Die Zahl derer, die sich „sehr sicher“ fühlen, hat sich verfünffacht. Die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung zeigt bislang keine Auswirkungen.

Moers.. Ein erstaunliches Ergebnis lieferte die Antwort auf die Frage: Fühlen Sie sich in Moers sicher? 56 Prozent aller Befragten erklärten, sich in Moers „sicher“ oder sogar „sehr sicher“ zu fühlen – 2012 waren es nur 38 Prozent, die sich positiv zur Sicherheit in Moers äußerten. Außerdem verfünffachte sich annähernd die Zahl derer, die sich „sehr sicher“ fühlen: von fünf auf 24 Prozent. Im Gegenzug halbierte sich die Anzahl derjenigen, die sich in Moers „sehr unsicher“ fühlen, von zehn auf fünf Prozent.

Männer fühlen sich sicherer als Frauen, die Älteren unsicherer als die Jüngeren. Rund zehn Prozent der Befragten über 70 Jahre gaben an, sich „sehr unsicher“ zu fühlen. Eine eindeutige Unterscheidung gibt es auch bei den Ergebnissen in den Bereichen Mitte, Nord und Ost: Während sich in Moers-Mitte rund die Hälfte aller Befragten „sehr sicher“ und „sicher“ fühlt, etwa zehn Prozent aber „sehr unsicher“, sieht es in Moers-Ost anders aus: Knapp 60 Prozent sind mit der Sicherheit zufrieden, und die Zahl der Menschen, die sich „sehr unsicher“ fühlen, ist verschwindend gering.

Kontroverse Nachtabschaltung

Ein möglicherweise schwindendes Sicherheitsgefühl bei völliger Dunkelheit war der Anlass der Diskussion über die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung. Die Moerser sind in ihrer Ansicht gespalten, wenn es um die Frage geht, ob die Nachtabschaltung ein Sicherheitsrisiko bedeutet: 32 Prozent sagen „ja, auf jeden Fall“, 30 Prozent sagen „nein, auf keinen Fall“, wobei die Männer sich klarer positionieren als die Frauen. Die geringsten Sorgen machen sich die 30- bis 39-Jährigen, während die 14- bis 19-Jährigen und die Moerser zwischen 50 und 59 Jahren eher denken, dass die Sicherheit gefährdet ist.

Auf Anfrage der Redaktion wertete die Kreispolizeibehörde die vorliegenden Strafanzeigen nach folgenden Kriterien aus: Im Zeitraum vor (April) und nach der Nachtabschaltung (Mai) in Moers-Mitte und Kapellen (in Klammern die Zahlen für gesamt Moers) für die Deliktsbereiche Wohnungseinbruch und Autoaufbrüche.

Pkw-Aufbrüche

  • Moers-Mitte im April 12, im Mai 5
  • Kapellen im April 5, im Mai 1
  • (Gesamt-Moers April 55, Mai 31)

Einbrüche

  • Moers-Mitte im April 4, im Mai 6
  • Kapellen im April 2, im Mai 2
  • (Gesamt-Moers im April 33, im Mai 19)

Bei der Interpretation der Ergebnisse sind folgende Faktoren zu berücksichtigen: Schon vor Mai wurden in verschiedenen Moerser Stadtteilen die Laternen zwischen 1 Uhr und 3.30 Uhr abgeschaltet, ab Mai dann flächendeckend. Zudem steigt die Zahl der Einbrüche mit Beginn der dunkelen Jahreszeit erfahrungsgemäß stark an. Es bleibt jedoch festzuhalten: Bislang hat die Nachtabschaltung keinerlei Einfluss auf die Häufigkeit von Straftaten. Und da Einbrüche und Autoaufbrüche meist erst einige Zeit nach der Tat entdeckt werden, lässt sich eine genau Aussage zum Tatzeitpunkt ohnehin nicht treffen.

Kriminalitätsfurcht nimmt allgemein ab

Der Kriminologe und Polizeiwissenschaftler Frank Kawelovski erklärt zum gestiegenen Sicherheitsgefühl der Moerser: „Seit Jahren ist der Trend festzustellen, dass die Furcht vor Kriminalität rückläufig ist.“ Das persönliche Umfeld, der so genannte Nahraum, werde dabei als eher ungefährlich wahrgenommen, obschon die allgemeine Sicherheitslage als bedrohlich erachtet werde.

Den Informationsquellen käme bei diesen Wahrnehmungen eine große Bedeutung zu, so der Mülheimer Kriminologe. Die Menschen im Nahbereich, also Nachbarn und Angehörige, hätten meist wenig Berührung mit Kriminalität, Furcht vor Straftaten sei kaum ein Thema. Aber: „Die Medien bringen einem permanent die Kriminalität nahe“, so Kawelovski.

Andere Ängste würden möglicherweise in den Vordergrund drängen, so der Polizeiwissenschaftler weiter. Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes, Angst vor Altersarmut oder Krankheit lägen in der Wahrnehmung der Menschen viel weiter vorne. Der allgemeine Trend gehe indes hin zu weniger Furcht.

Polizeichef Paul Platzer sieht als Leiter der Moerser Wache an der Asberger Straße die gute Arbeit der Polizei als Grund für das gestiegene Sicherheitsgefühl der Moerser: „Wir legen Wert auf hohe Präsenz auf den Straßen und kümmern uns, sobald wir von Sorgen und Nöten hören. Wenn einer ein Problem schildert, schicke ich den Bezirksdienst raus.“ Zudem bestehe sein Team aus hochmotivierten jungen Beamten, so Platzer.