Die Moerser Denkmäler sind ein Trauerspiel

Das Gefallenenmahnmal an der Römerstraße in Asberg befindet sich in einem maroden Zustand.
Das Gefallenenmahnmal an der Römerstraße in Asberg befindet sich in einem maroden Zustand.
Foto: kai kitschenberg
Was wir bereits wissen
Sie befinden sich in einem jämmerlichen Zustand, sind teilweise gefährlich. 350 000 Euro kostet ihre Sanierung, eine private Stiftung könnte die Rettung sein

Moers..  Man geht an ihnen vorbei, täglich, unachtsam, keinen Gedanken auf ihre Bedeutung verschwendend. Sie gehören zum Stadtbild, waren schon immer da, mögen für die meisten gar bedeutungslos sein und sind in einem geradezu jämmerlichen Zustand – um die Denkmäler der Grafenstadt ist es denkbar schlecht bestellt. Dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Umwelt wurde jetzt ein Untersuchungsbericht vorgelegt, welcher den Zustand und den Sanierungsbedarf der Moerser Denkmäler zum Inhalt hat. Die Politiker müssen sich jetzt die Frage stellen, ob man wirklich alle Denkmäler braucht, denn die Sanierungskosten liegen bei rund 350 000 Euro.

Nicht besonders sorgsam gingen die Moerser in der Vergangenheit mit ihren Denkmälern um: So ließen sie es zu, dass Inschriften verschwanden, dass Denkmäler entstellt wurden – es dauert nicht mehr lange, und das eine oder andere wird zur Unfallgefahr für diejenigen, die sich ihm nähern. So jedenfalls lautet die Aussage des beauftragten Architekturbüros, das 24 Objekte untersuchte und nun ei­nen 300-seitigen Bericht vorlegte.

Dieser Bericht ist alles andere als ein Ruhmesblatt für die Grafenstadt. So ist das Ehrenmal in Kapellen in seiner Standfestigkeit gefährdet, das Denkmal auf dem Altmarkt zeigt „starken Substanzverlust“. Bezüglich des Kaiserdenkmals am Ostring empfiehlt der Gutachter eine Sperrung des Bereichs aus Sicherheitsgründen und eine Überprüfung auf die Standsicherheit; da sind grobe Verschmutzungen noch das kleinste Übel.

Alle erforderlichen Maßnahmen sind nun in einer Prioritätenliste erfasst – und schon ging das politische Geplänkel los. Das Ehrenmal in Asberg müsse man vorziehen, so eine Forderung; eine Idee der CDU lautete, die Vereine sollten sich um die Sanierung sowie deren Finanzierung kümmern. Aus der SPD kam die Frage, ob man alle Denkmäler erhalten könne, schließlich sei das Geld einfach nicht da.

Dazu Kämmerer Wolfgang Thoenes: „Nur fünf Denkmäler stehen unter Schutz. Bei den anderen stellt sich die Frage, ob man sie noch braucht.“ Welche Denkmäler nun erhalten werden oder auch nicht, sie sind und bleiben ein dauerhafter Pflegefall. Die FDP verwies darauf, dass der Stadt die Schenkung eines Hanns-Dieter-Hüsch-Denkmals ins Haus stehe, und das „kostet dann auch.“

Wie dem auch sei: Die Stadt soll die Sanierungsmaßnahmen „im rahmen der zur Verfügung stehenden Finanzmittel sukzessive umsetzen“, lautete der einstimmige Beschluss des Ausschusses. Die Denkmal-Stiftung des scheidenden Vorsitzenden des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins Udo Pieper, mit der dieser den Erhalt der Moerser Denkmäler sicher stellen will, kommt da wie gerufen, ist vielleicht sogar die Rettung für so manches Denkmal, das sonst drohte, dem Rotstift zum Opfer zu fallen. Fest steht, dass die Politik in Sachen Denkmalpflege noch einiges nachzuholen hat – der Umgang mit der Geschichte der Stadt will gelernt sein.