Die Moerser Band Elvellon rockt mit Klassik-Einfluss

Probenarbeit: Nele Messerschmidt, Pascal Pannen, Philipp Kohout, Martin Klüners, Gilbert Gelsdorf (von links).
Probenarbeit: Nele Messerschmidt, Pascal Pannen, Philipp Kohout, Martin Klüners, Gilbert Gelsdorf (von links).
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Im Januar kommt der erste Tonträger auf den Markt. Darauf zu hören: brettharte Gitarren, pompöse Geigen und eine üppige Frauenstimme. Was für eine Mischung

Kamp-Lintfort/Moers..  „Es ist viel Stress, viel Geld, viel Arbeit und man bekommt vergleichsweise wenig zurück“, fasst Nele Messerschmidt von der Metal-Band „Elvellon“ zusammen. Hört sich nicht gerade nach dem reinen Vergnügen an, aber sie tut es sich mit ihren vier Bandkollegen trotzdem an. Das Ziel fest im Blick: Von der Musik leben zu können. „Das wäre dann hundert Prozent Spaß.“

Dabei hat das Quintett allerdings den schweren Weg gewählt: Mit Malle-Schlagern ginge das mit dem Berühmtwerden vielleicht schneller als mit so einem Nischenprodukt wie „Symphonic Metal“. Musik, die echten Metallern zu sanft oder pompös ist und denen die beeindruckende Stimme von Nele Messerschmidt zu geschult klingt. Und den Pop-Fans aber doch zu heavy oder ist. Und dann auch noch in einem Land, in dem die Szene für diese Musik kleiner ist als in Spanien, Brasilien, Polen oder Griechenland.

Seit vier Jahren gibt es die Band, vor gut einem Jahr ging es erstmals auf die Bühne im Bollwerk. „Wir mussten uns erstmal finden.“ Danach folgten Auftritte beim Freefall Festival oder bei Geldernsein Festival. Der nächste große Schritt kommt direkt im neuen Jahr: Am 30. Januar kommt die erste EP auf den Markt und das wird ebenfalls im Bollwerk mit einem Auftritt gefeiert.

Fünf Songs haben sie aufgenommen. Da trifft es sich, dass Gitarrist Gilbert Gelsdorf Tontechnik studiert hat und vieles selbst abmischen konnte. Und trotzdem kostet so ein Unternehmen Geld, das irgendwie in die ohnehin schon durch Kabel und zahllose Plektren knappe Bandkasse kommen muss. Alle haben halt pro Monat einen Fünfer mehr reingebuttert. „Ich hab auf Hochzeiten gesungen und so 500 Euro beisteuern können“, sagt Nele, die an der Kamp-Lintforter Musikschule Unterricht in klassischem Gesang hat und in diesem Genre fast ebenso gerne unterwegs ist wie im harten Rock.

Überhaupt ruinieren Elvellon das Vorurteil von drei Akkorde schrammelnden, abhängenden Rockern total. Sie haben eine solide musikalische Ausbildung genossen, oder genießen sie wie Nele noch, Gilbert Gelsdorf sogar inklusive musikalischer Früherziehung und Blockflötenunterricht. Also von Kindesbeinen an. Sie feierten Weihnachten, obwohl sie alle über zwanzig Jahre alt sind, noch schön zu Hause bei den Eltern. Sie haben ganz normale Berufe wie Azubi zum Lokführer (Philipp Kohout, Bass), Angestellter in der Lebensmittelindustrie (Martin Klüners, Schlagzeug), Lagerlogist bei Edeka (Pascal Pannen, Piano), Tontechniker (Gilbert Gelsdorf, Gitarre) und Heilerziehungspflegerin (Nele Messerschmidt).

Sie proben regelmäßig und diszipliniert. Sie hören natürlich gerne Musik der finnischen Band „Nightwish“, die ebenso wie sie eine klassisch-üppige Frauenstimme in den Fokus setzt, aber ebenso gern Beethoven oder Punk. Sie fahren nicht jedes Jahr nach Wacken. Das reizt sie überhaupt nicht mehr. Und sie sind überhaupt nicht düster drauf, sondern ausgesprochen fröhliche und höfliche junge Menschen.

Was sie reizt, ist ihre Songs im Radio zu hören. In England hat das schon geklappt. Was sie jetzt hier brauchen, ist ihnen klar: „Vitamin B, YouTube, Geduld und Glück.“ Dann könnte das klappen mit den hundert Prozent Spaß.