Die mit dem ganzen Körper malen
28.07.2010 | 18:32 Uhr 2010-07-28T18:32:00+0200
Moers.Es ist noch gar nicht so lange her, da trotteten Gefangene bei ihrem Hofgang an diesen trostlosen Mauern entlang. Dass der Innenhof des Alten Hafthauses bis zum Wochenende bunt angesprayt sein wird, macht keinem Strafgefangenen mehr das Leben bunter.
Das Alte Hafthaus wird nicht mehr als Justizvollzugsanstalt genutzt.
Obwohl: Für einen Inhaftierten aus der JVA Kapellen wird hier das Leben doch bunter. Er darf in den nächsten Tagen mitsprühen. „Es ist ein Glücksfall, dass er gerade bei uns ist“, sagt Detlef Reck, Sport- und Freizeitkoordinator der JVA. Das mit dem Glück wird der „Künstler“ vielleicht nicht ganz so sehen, aber immerhin: Er ist „Teil-Profi“ beim Sprayen, wie Reck formuliert. Und bunte Bilder entwerfen, ist mal was anderes.
„Graffiti und Justiz – zwei Welten prallen aufeinander“ heißt das Projekt im Rahmen von „Schattenkultur“, bei dem bis zum Wochenende Farbe in den ehemaligen Knast gebracht wird. Und zwar mit Hilfe von Profis: Il-Jin „Atem“ Choi und Alexander Heist sind Graffiti-Künstler, die schon lange aus der Ecke der Wandschmierer raus sind. Wenngleich Il-Jin Choi zugibt, anfangs seiner Leidenschaft auch illegal nachgegangen zu sein. Ein paar Mal sei er auch erwischt worden. Beide Sprayer zeigen nun Interessierten in Workshops, wie das geht mit den Graffiti. Und den Unterschied zwischen Vandalismus und Kunst in diesem Metier.
Jungfräuliches Weiß
wird kunterbunt
Die jungfräulich weiß grundierte Wand durften Jugendliche aus dem Jugendzentrum „Zoff“ erobern. Erste Übung: einen einfachen, geraden Strich sprühen. Gar nicht so einfach. „Man muss mit dem ganzen Körper malen“, erklärt Il-Jin, denn sonst „franst“ die Farbe nach unten aus. Begeistert schütteln die Jungs und Mädels mit wichtiger Attitüde die Farbdosen und legen mit Hingabe los. So friedlich und konzentriert erlebt die Pädagogin Gisela Wensing-Linden die Jugendlichen nicht immer. Eine knappe Stunde später ist die Wand kunterbunt. Manche der Nachwuchs-Sprayer zeigen Talent. Das Ergebnis der Projektwoche kann die Öffentlichkeit ansehen: Am Wochenende steigt im Freistundenhof ein HipHop-Fest. Das DJTeam Mad Flava wird auflegen, der Rapper „Suspee“ tritt auf. Gastsprayer haben ihr Kommen ebenfalls angekündigt. Was für eine Sause hinter Gefängnismauern, wo es vor gar nicht langer Zeit noch so trostlos war.
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