Das aktuelle Wetter Moers 11°C
Doppelkopf

Die Meisterspieler

05.01.2012 | 17:32 Uhr
Die Meisterspieler

Kamp-Lintfort.Doppelkopf: ein urdeutsches Spiel, vor allem im nördlichen Teil Deutschlands bekannt und beliebt. Wer es im Freundeskreis, aber in neuer Runde, spielt weiß ganz genau – man braucht eine halbe Stunde.

Die Zeit ist nötig, um sich auf die Regeln und Ausnahmen zu einigen. Mindestens eine halbe Stunde. Das ist bei „Karlchen 92“ und der „Derben Doko-Runde Niederrhein“ anders: Die Mitglieder spielen nach den offiziellen Regeln des Deutschen Doppelkopf-Verbandes. „Da gibt es kein Schweinchen, keine Hypersau oder was alles dabei ist“, erklärte Jürgen Schützendorf, 1. Vorsitzender von Karlchen 92, dem Kamp-Lintforter Doppelkopfverein.

Aber diese Konzentration auf die Grundregeln allein ist es nicht, was die Spielgemeinschaft mit dem Verein aus Wesel so erfolgreich macht: Sie spielen einfach gut – und zusammen mit dem nötigen Kartenglück hat es gereicht, um Ende November Bundesligasieger und damit Deutscher Meister im Doppelkopf zu werden.

Für alle, die Doppelkopf nicht kennen, muss jetzt einiges erklärt werden. Vier Spieler, zwei Skatblätter: Das sind die Grundvoraussetzungen. Aus den Skatblättern sortiert man die Siebenen und Achten heraus. In der Bundesliga wird mit Neunen gespielt, im Hobbybereich oft ohne. Höchster Trumpf ist die Herz-Zehn, danach kommen die Damen in der Reihenfolge Kreuz, Pik, Herz, Karo, dann die Buben, Karo ist auch Trumpf. Kreuz, Pik und Herz sind die so genannten Fehlfarben. Im Normalfall spielen die Beiden zusammen, die die Kreuz-Damen haben. Wer sein Blatt für stark genug hält, kann ein Solo ansagen und spielt dann gegen drei Gegner.

Die Besten Deutschlands kamen auf unterschiedliche Arten zum Spiel. Jürgen Schützendorf lernte es bei der Bundeswehr, andere in der Schule, spielten dann in den Freistunden, und einer – ja, auch das gibt es bei Meisterspielern – „rein zufällig“.

Auch die Altersklassen sind bei den Doko-Spielern ziemlich gemischt: 74 Jahre ist der Älteste aus der Gewinnermannschaft, 39 der Jüngste. Jahrgänge darunter sind im Verein rarer. Vorsitzender Jürgen Schützendorf: „Junge Menschen denken bei Kartenspiel meist an Pokern.“

Was andere aus Spaß an der Freude machen, dahinter steckt bei Karlchen 92 Ehrgeiz. „Schon bei der Vereinsgründung 1992 war klar: Wir wollen bundesweit spielen.“ Und als dann 1997 die Bundesliga ins Leben gerufen wurde, waren die Kamp-Lintforter sofort dabei. „Wir sind noch nie abgestiegen, auch wenn es manchmal knapp war.“

Wie verwandelter Elfmeter in der Nachspielzeit

Genauso knapp war es auch mit der Meisterschaft. Schützendorf: „Am letzten Tag vor dem Finale waren wir Zweite in der Tabelle, zwei Punkte hinter Wuppertal – und die hatten auch noch das weitaus bessere Spielverhältnis.“ Das allerletzte Spiel gab den Ausschlag. „Das ist so, als wenn man in der Nachspielzeit einen Elfmeter verwandelt.“ Wuppertal vergeigte, es gab lange Gesichter im Team. Bei den anderen Mannschaften freute man sich dagegen mit den Kamp-Lintfortern: „Wir sind ziemlich beliebt.“

Zum Glück sind sich die Mitglieder von Karlchen 92 untereinander grün. „Das ist ganz wichtig“, so Schützendorf. „Man hängt an den Bundesligaspielwochenenden zwei Tage miteinander rum, sitzt stundenlang im Auto.“ Auch bei der Entscheidung, wer spielt und wer nicht, gibt es kein Gezeter. „Man tritt auch schon mal selber zurück, wenn man merkt, dass es bei einem nicht so gut läuft.“ Dann kommt eben der Nächste an den Tisch.

Auch mit den Weselern klappt es. Frank Bruns, 1. Vorsitzender der Derben Dokorunde: „Wir haben ein gutes Verhältnis und besuchen uns gegenseitig.“ Er hat einen Tipp, als Dokospieler besser zu werden – mit guten Spielern spielen, viel spielen. „Am besten auch noch privat.“

„Kein Wanderpokal,der Pott gehört uns“

Aber gut spielen allein reicht eben doch nicht, räumt Schützendorf ein. „50 Prozent sind Spielkönnen, 50 Prozent Kartenglück. Gute Spieler machen jedoch weniger Fehler und optimieren die Spiele.“ Jetzt, nach der Meisterschaft, hat die Spielgemeinschaft Blut geleckt: „Wir wollen die Titelverteidigung.“ Die Trophäe bleibt in jedem Fall erhalten: „Das ist kein Wanderpokal – der Pott gehört uns.“

Wolfgang Krause

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6217528/create

Aktuelle Fotos und Videos
Musik und Sonne pur
Bildgalerie
Moers Festival
Helges Heimatabend im Zelt
Bildgalerie
Helge Schneider
Freibad in Kamp-Lintfort öffnet
Bildgalerie
Lifestyle
Unwetter am Niederrhein
Bildgalerie
Wetter
Aus dem Ressort
Lösung noch vor Mitternacht
Wissenschaft
Studierende des zweiten Semesters aus dem Studiengang „Medien und Kommunikationsinformatik“ der Fakultät Kommunikation und Umwelt nahmen an einem Programmierwettbewerb zur Erstellung kleiner Helfer-Programme teil.
Dank an die Finder
Kriminalität
Moers. Es ist etwas ungewöhnlich: Sigrid Mayer wurde bestohlen, aber sie möchte sich bedanken. Und zwar bei drei Jugendlichen, die ihr das Portemonnaie zurückbrachten, das ihr Taschendiebe am Mittwochmittag gestohlen hatten.