Die Mariengrotte neben dem Kräutergarten

Peter Stankowiak  kümmert sich um die wohl 100 Jahre alte Mariengrotte
Peter Stankowiak kümmert sich um die wohl 100 Jahre alte Mariengrotte
Foto: Ulla Michels
Was wir bereits wissen
Der grüne Daumen: Der Kamp-Lintforter Peter Stankowiak kümmert sich in seinem Garten um eine alte Andachtsstelle.

Kamp-Lintfort..  Wer zum ersten Mal in den Garten von Peter Stankowiak kommt, gerät unwillkürlich ins Staunen. Vorbei am Gartenteich mit den weißen Seerosen, den Beeten mit blühendem Farn und den drei schlanken Zypressen führt am Ende des Grundstücks ein kleiner Buchsbaum gesäumter Weg zu einer Mariengrotte. Wie die Stankowiaks mitten in der City zu einer Mariengrotte im Garten kommen? Ganz einfach – sie war schon da, bevor der 60-Jährige mit seiner Frau Brigitte in die Häuserreihe der Pauen’schen Siedlung zog ...

Grotte aus alten Schlacken

Kamp-Lintfort ist Anfang des 20. Jahrhunderts eine stetig wachsende Bergbaustadt. So entsteht zwischen 1916 und 1918 die sogenannte Pauen’sche Siedlung für Bergleute – und damit auch die Häuserreihe am Kirchplatz, hinter der sich der Garten der Stankowiaks verbirgt. Schon 1919 ziehen in Absprache mit der Zechenleitung Ordensschwestern der „Heiligenstädter Schulschwestern“ ein, unter anderem, um hier mit der neuen Pfarrgemeinde St. Josef einen Kindergarten zu eröffnen. Die Schwestern bauten in ihrem Garten eben jene Mariengrotte aus Brandziegeln der alten benachbarten Ziegelei und Schlacken ihrer Heizungsanlage und nutzten sie als Gebets- und Andachtsstelle.

Priesterbank zum Ausruhen

1980, als der Stift aufgelöst wird, wird die Häuserzeile an Peter Stankowiaks Schwiegervater verkauft. „Ihm war es ein Anliegen, dass dieser Ort der Andacht erhalten bleibt“, sagt Stankowiak, der die 600 Quadratmeter Garten samt der Grotte seit nunmehr 35 Jahren pflegt. Und tatsächlich auch schon vorher kannte: „Ich war hier selbst im Kindergarten“, lacht der Ruheständler in spe. „Gut möglich, dass sich auch andere ,Kindergartenkinder’ von damals daran erinnern und sich wundern, dass sie noch existiert.“

Als Hobby-Gärtner mag er es am liebsten so natürlich wie möglich. Stankowiak deutet auf einen mit Efeu bewachsenen Holzstapel, bei dem manch einer vielleicht naserümpfend „Schmuddelecke“ denken würde – Stankowiak nicht. „Das bleibt so, da wohnen Igel drin.“ Neben der Mariengrotte wachsen Fenchel, Rosmarin, Weinrauke, Estragon, Liebstöckel und Co. im Kräuterbeet, dahinter lockt eine Bank zum Innehalten. Und auch die hat eine besondere Geschichte: „Das ist die Priesterbank aus der St. Josef-Kirche, die bei der Sanierung der Kirche ausrangiert wurde. Der dazu passende Altar steht noch in der Kirche.“

Sechs bis acht Stunden pro Woche verbringt Altersteilzeitler Stankowiak im Garten, „so viel Zeit muss schon sein“. Ganz einfach zu gestalten ist seine grüne Oase, die zum Teil auch die Nachbarn nutzen, nicht: „Man muss halt mit den Gegebenheiten leben, der Garten ist relativ schmal.“ Wichtig für Stankowiak: möglichst naturbelassen zu gärtnern: „Ich will einfach nicht so viel eingreifen.“ Nur bei den Reihern bleibt er streng, wie die über den Teich gespannten Schnüre unschwer erkennen lassen. Muntere Fische oder satte Vögel? Eindeutig zieht Stankowiak die Fische in diesem Falle vor ...

Die Bewerbung Kamp-Lintforts zur Landesgartenschau unterstützt er aktiv. Das allerdings weniger als Gärtner, sondern vielmehr als Musiker. Stankowiak leitet den letzten Knappenchor Kamp-Lintforts, der voraussichtlich beim Besuch der Bewertungskommission in der Lohnhalle das Steigerlied singen soll. Einzig als Vogelhäuschenarchitekt hat Stankowiak kein gutes Händchen. Das Modell in Schwarz-Gelb mit der Aufschrift „Dortmund“ käme bei den Piepmätzen überhaupt nicht an, gesteht er: „Die mögen es einfach nicht.“ Ob eine Renovierung in Blau-Weiß da helfen würde ....?