Die Erkältungswelle rollt

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Was wir bereits wissen
Vor allem ein böses, hartnäckiges Virus macht die Runde. Die Influenza ist im Kreis Wesel aber noch nicht richtig angekommen. Hohe Krankenstände. Impfen schützt

Am Niederrhein..  Die Erkältungswelle hat den Niederrhein fest im Griff. Ob Influenza, grippaler Infekt oder Virusinfektion, der Krankenstand ist derzeit hoch. Allgemeinmediziner Ronald Grüner in Moers beschreibt die Lage so: „Das ist schon heftig und geht schon etwa zweieinhalb Wochen so.“ Vor allem mache ein unschöner Virus die Runde, der sehr hartnäckig sei und bösen Husten verursache. „Die eigentliche Grippe ist wohl derzeit noch in Süddeutschland. Ob sie noch zu uns kommt, kann keiner sagen.“

Grüner nennt es ein „interessantes Erkältungsjahr“ mit deutlich mehr Fällen und viralen Infekten, der auch viele Krankenstände nach sich ziehe. So ist das Wartezimmer des Mediziners denn auch derzeit gut gefüllt, Wartezeiten sind entsprechend lang.

Erst wenige gemeldete Grippefälle

Beim Gesundheitsamt des Kreises Wesel in Moers liegen bisher nur wenige gemeldete Influenza-Fälle vor. „Aber keiner kann sagen, was noch passiert“, stellt Leiter Dr. Christoph Gödde schlicht fest. Bis zur siebten Kalenderwoche seien in 2015 erst 28 Influenzafälle gemeldet worden. „2011 waren es insgesamt 133 im Kreis.“

Zu den leidgeplagten Chefs und Arbeitgebern gehört beispielsweise Dr. Susanne Marten-Cleef, Chefin am Julius-Stursberg-Gymnasium in Neukirchen-Vluyn. „Von 75 Kollegen sind augenblicklich etwa 18 krank“, schildert sie. Und auch unter den Schülern grassiert das böse Virus. Die Reihen sind ausgedünnt. „Heute Morgen haben sich gleich 30 Schüler aktuell krank gemeldet, ohne die, die schon länger krank sind. Und letzte Woche gab es eine Klasse, in der gleich zehn Kinder wegen Krankheit fehlten.“ Da heißt es, was den Stundenplan angeht, erfinderisch zu sein. „Wir müssen ja beispielsweise eine verlässliche Betreuung bis mittags gewährleisten.“

Dr. Gödde dazu, ob sich eine Grippeschutzimpfung jetzt noch lohnt: „Zu impfen ist immer sinnvoll“, rät er. Auch wenn es heiße, das diesjährige Serum sei weniger wirkungsvoll. „Ein schwächerer Schutz ist besser als gar keiner.“

Der Hauptweg der Ansteckung gehe über Tröpfchen- oder Schmierinfektionen. So solle der Kranke besser in die Armbeuge husten. Wer sich die Hand vor den Mund halte, verteile die Keime dann anschließend. „Das Beste ist daher immer noch das häufige Händewaschen. Sehr oft am Tag fasst man sich an Mund oder Nase und nimmt die Krankheitserreger dann auf. Gerade wenn man draußen war, sollte man sich zu Hause als erstes die Hände waschen, und zwar sehr gründlich.“

Impfung wirkt nachetwa zehn bis 14 Tagen

Dr. Edeltraud Schlotmann-Höller von der BKK: „Etwa zehn bis 14 Tage dauert es, bis die Grippeimpfung wirkt.“ Da das Robert-Koch-Institut mit dem Gipfel der Grippewelle in etwa drei Wochen rechne, mache die Impfung jetzt noch Sinn. Und: Grippeviren schwächten den Körper derart, dass andere Krankheitskeime wie Bakterien leichtes Spiel hätten. Oft komme es dann bei einer Influenza-Erkrankung auch zu einer lebensgefährlichen Lungenentzündung.