Der Wald hält noch Stand

Förster Christian Pfeifer.
Förster Christian Pfeifer.
Foto: NRZ

Neukirchen-Vluyn/Niederrhein..  Welcher Ausflügler in den Wäldern vor Ort denkt schon daran, dass Bäume unter Stress leiden könnten? Tatsächlich sind Umweltbelastungen wie der Stickstoffgehalt der Luft ein Übel, das zusammen mit weiteren Stressfaktoren vielen Bäumen arg zu schaffen macht. Förster Christian Pfeifer vom Forstamt Niederrhein in Wesel betreut unter anderem die „Ausflugswälder“ in der Region wie Vluynbusch, Littard, Kamper Berg, Niederkamp und die Leucht. „Die Bäume haben Stress, sind aber noch nicht in ihrer Existenz bedroht.“ Was die Region von anderen Bereichen des Landes unterscheidet.

Sommerliche Dürre

Besonders die sehr alten Eichen und Buchen leiden stark unter den schlechten Bedingungen. Wie beispielsweise die sommerliche Dürre. „Aber auch zu viel Regen schwächt, wenn die Baumart keine nassen Füße mag.“ Da es in der Region aber hauptsächlich relativ junge, kräftige Eichen und Buchen gebe, könnten diese sich noch gut gegen schädliche Einflüsse wehren. Sicheres Zeichen, dass der Baum leidet: „In 2014 gab es schon wieder eine Vollmast“, schildert der Fachmann. Was bedeutet: Es hingen ungewöhnlich viele Eicheln und Bucheckern an den Bäumen. Was der Laie für gesund halten könnte. Ist es aber nicht: „Im Jahr zuvor hatten wir eine Dürre im Sommer. Die Buchen und Eichen hatten Stress und reagieren dann im nächsten Jahr mit ungewöhnlich vielen Früchten, weil sie ein Aussterben der Art verhindern wollen. Früher gab es alle zehn, zwölf Jahre eine Vollmast, heute schon alle vier bis fünf Jahre“, weiß Pfeifer. Hinzu kam der jüngste viel zu nasse Hochsommer. „Dadurch mussten die Bäume auch unter statischer Belastung leiden.“ Die Früchte waren nicht nur besonders zahlreich, sondern auch sehr dick. „Da sind über Sommer plötzlich beindicke Äste einfach so abgebrochen.“

Mit geschultem Blick schaut der Förster bei seinen Kontrollgängen in die Kronen der Bäume. Werden sie lichter, ist der Baum schon stark geschädigt. „Hier bei uns in der Region ist das aber gottlob noch nicht der Fall.“ Gefährlich werde es für angeschlagene alte Riesen, wenn sie obendrein noch von Schädlingen wie Käfern oder Pilzen heimgesucht würden.

Sorgen um die Eschen

Große Sorgen machen die Förster sich jedoch in ganz Deutschland um die Eschen, wie Pfeifers Kollege Christoph Zebunke in Wesel berichtet. Sie liefern bestes Möbelholz. „Sie werden seit einiger Zeit stark von einem Pilz befallen, der zum Absterben der Triebe führt. Den Pilz gibt es schon lange, er wurde aber nie auffällig.“ Zebunke weiter: „Grundsätzlich ist aber der Zustand der Eichen am linken Niederrhein wohl etwas besser als im rechtsrheinischen Bereich.“ Was damit zusammenhänge, dass die Böden hier mehr Sand und Kies enthielten und nicht so staunass seien.

Eine gute Nachricht: „Die Eschen in der Littard sind gesund. Wir haben vor ein paar Jahren etliche davon sogar als Möbelholz nach China verkauft“, erläutert Christian Pfeifer. Die übrigen Exemplare wachsen bis heute gut.