Der letzte Gottesdienst in der Meerbecker Johanneskirche

Noch einmal alle Plätze besetzt: Entwidmungsgottesdienst in der Johanneskirche.
Noch einmal alle Plätze besetzt: Entwidmungsgottesdienst in der Johanneskirche.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Die Unterhaltskosten für die Moerser Kirche waren zu hoch. Jetzt zieht die geschrumpfte Gemeinde in das Gemeindehaus gegenüber

Moers..  Es war ein emotionaler Abschied mit vielen Erinnerungen, den die evangelische Gemeinde Meerbeck am Sonntag beim Festgottesdienst in der Johannes-Kirche in Meerbeck feierte: Nach 50 Jahren verlässt die Gemeinde die Kirche und zieht in das Gemeindehaus auf der Bismarckstraße um. Die Johannes-Kirche ist das erste Kirchengebäude im Kirchenkreis, das nicht mehr als Gotteshaus genutzt wird.

Die Johannes-Kirche soll nun weiter durch die Landeskirche Düsseldorf und als Archiv-Standort genutzt werden. Die schwierige finanzielle Lage mit hohen Unterhaltungskosten war bedingt durch Wegzug vieler Gemeindemitglieder nicht mehr tragbar.

Die Kirche, die im Oktober 1964 in Gebrauch genommen und vorher nach dem Motiv eines Schiffsbugs zur Darstellung des wandernden Gottesvolkes in der Bibel errichtet wurde, ist nun entwidmet. „Wandern, das ist auch das, was wir nun mit unserer Gemeinde machen“, sagte Pfarrer Ulrich Weyand in seiner Predigt. Gottes Segen auf die andere Straßenseite bringen, das sei das, was eine lebendige Gemeinde schaffen könne.

Pfarrer Torsten Maes erklärte in seinem Beitrag, dass die finanziellen Schuhe zu groß und die Gemeinde dagegen zu klein gewesen seien, um das Gotteshaus weiter zu verwenden. Christliche Werte manifestierten sich aber nicht in einem Gebäude, sondern in den Gedanken. Und die hielte das Presbyterium mit seiner Arbeit weiter lebendig.

Beim gemeinsamen Singen, begleitet durch Orgel, Klavier und Tenorblockflöte, sowie dem gemeinsamen Abendmahl in der Kirche zeigte die Gemeinde, dass sie auch in Anbetracht der Neuerungen zusammenhält. „Hier wurden Feste und Konzerte gefeiert, hier wurde getauft und gebetet, hier wurde konfirmiert, verheiratet und getrauert“, gedachte Pfarrerin Barbara Weyand in ihrer Rede.

Viele Moerser haben ihre ganz persönliche Geschichte mit der Johannes-Kirche: Goldene Konfirmanden erinnerten sich in ihren Wortbeiträgen noch an ihre Taufe im um 1964 genutzten Gemeindehaus, in das es jetzt wieder zurückgeht, Paare an ihre Hochzeit und Jugendliche an den Konfirmandenunterricht.

Tränenreicher Abschied

Viele Tränen flossen in der Gemeinde, die rund 2200 Gemeindemitglieder zählt. Die 500 Plätze in der Kirche waren ein letztes Mal gefüllt. Mit dem Austeilen der Sakramente war die Johannes-Kirche dann auch symbolisch außer Dienst. Auf der anderen Straßenseite wird man nun das neue Gotteshaus, das Gemeindehaus in Meerbeck, beziehen. Dort gibt es eine Orgel, ein Lesepult und Räumlichkeiten, die den Gottesdienst weiterhin ermöglichen, so auch am Sonntag, 25. Januar, um 11 Uhr.