Der Krieg und seine Gesellschaftsspiele

Kinderspiele und Krieg - auch um dieses Thema ging es beim literarischen Frühstück
Kinderspiele und Krieg - auch um dieses Thema ging es beim literarischen Frühstück
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Wie zeitnah Vergangenes sein kann, hat das Schlosstheater am Sonntagmorgen in seiner Lesung über Literatur und Brettspiele im Ersten Weltkrieg gezeigt.

Moers..  Spielfigur werden und sein, Würfeln um das, was kaum planbar scheint: Auf eine Zeitreise in den Ersten Weltkrieg nahm das Schlosstheater die Besucher am Sonntag mit. In diesem Jahr war es ein literarisches Frühstück, bei dem sich die Teilnehmer dem Thema Krieg literarisch und spielerisch näherten.

Eindrucksvoll zeigte die Lesung, die im Rahmen der Reihe „Wir führen gegen uns selbst Krieg“ unter dem Motto „Mensch ärgere dich nicht“ stand, wie die Kriegsjahre zwischen 1914 und 1918 mit Blick auf zeitgenössische Literatur und Brettspiele emotional, politisch und sozial für die Menschen gewesen sein müssen.

Der Krieg ist, wie die Lesung zeigte, im Verständnis vieler eine Zeit der Zerstörung, der Angst und des Überlebens, aber auch eine Zeit der Selbstsucht und falscher Ideale. Zitiert aus dem Jahresbericht „Der Krieg und unsere Kinder“ für das Kriegsschuljahr 1914/1915 begann die Lesung: „Der Regen prasselt gegen die Scheibe, die Mutter sitzt mit ihrem Kind im Zimmer und denkt über ihre Ideale nach. Das Kind soll später Teil des Kampfes sein, seine Vorbilder in Soldaten und Hindenburg sehen“, hieß es. „Krieg spielen ist Recht, aber mit dem Krieg spielen, ist herzlos“, verlas Schauspieler Frank Wickermann weiter aus dem propagandistisch geprägten Erziehungsratgeber.

Das Publikum im Studio war aufmerksam und nachdenklich. „Soll man würfeln um das Volksschicksal?“, rezitierte Schauspielerin Marissa Möller. Wie eine Geschichte das harmlose Spiel von Kindern in eine kriegerische Szenerie umwandeln kann, zeigte die verlesene Kriegskindergeschichte „Der große Teich“, verfasst von Emma Müller: Kinder verschiedenster Herkunft spielen am großen Teich, bauen Schiffe und Zinnsoldaten, bis der Teich zu voll wird und sich jeder seinen Platz mit Hinterlist erkämpft.

Inszeniert von Maria Filimonov mit sieben Kindern um die Vorleser Wickermann und Möller herum, schien das Erzählte noch gegenwärtiger. Sie zeigten Bilder aus der Erzählung, in der der kleine Franzel zu Kaiser Franz und Willi zu Kaiser Wilhelm wird, im Publikum herum. „Der Teich gehört uns“, heißt es da. Ein Satz, der stellvertretend für den Zeitgeist steht, der die Jahre des 20. Jahrhunderts prägte.

Das Spiel der STM-Kinder „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ wurde zum symbolischen Ausrufezeichen. Im verlesenen Text „My parents open carry“ ging es um fast übermäßige Sicherheit und Kontrolle. Das Gegenteil von Sicherheit und Freiheit scheint das Stichwort für jene Zeit, die die Lesung so ehrlich und einprägend thematisierte.