Der Handel wehrt sich gegen organisierte Diebesbanden

Einzelhändler in Duisburg und am Niederrhein wehren sich mit einer Plakataktion gegen Trick- und Taschendiebe.
Einzelhändler in Duisburg und am Niederrhein wehren sich mit einer Plakataktion gegen Trick- und Taschendiebe.
Foto: WR
Was wir bereits wissen
Organisierte Diebesbanden machen Geschäftsleuten und Kunden in Duisburg und am Niederrhein das Leben schwer. Der Einzelhandelsverband warnt mit einer Plakataktion vor Trick- und Taschendieben. Händler wollen nun auch Vordrucke in rumänischer und bulgarischer Sprache.

Moers/Duisburg.. Es ist eine Aktion des Einzelhandelsverbandes, die man wohl als einmalig bezeichnen kann: Mit einer groß angelegten Plakatierung, die bereits in Rheinhausen läuft, wollen die Mitgliedsbetriebe im Altkreis Moers vor Trick- und Taschendieben warnen.

Einzelhändler haben die Geschäftsführung des Verbandes bereits aufgefordert, Vordrucke für Schilder in rumänischer und bulgarischer Sprache zu liefern, um so mutmaßlichen Tätern das massenhafte Betreten von Geschäften zu verbieten.

Hauptgeschäftsführer Wilhelm Bommann: „Laden- und Trickdiebstähle nehmen überhand. Die Aktion ist in Rheinhausen erfolgreich gelaufen. Seit diese Plakate in jedem zweiten Schaufenster hängen, sind die Straftaten zurückgegangen.“ Man wolle die Verbraucher aufrütteln und die Einzelhändler, bei denen sich Ohnmacht breit mache, vor Langfingern schützen.

2000 Euro aus der Kasse geklaut

Bommann liefert Beispiele aus den vergangenen zwei Wochen: Zwei Jugendliche betreten einen Lottoladen, gehen gezielt in die Ecke mit den Spirituosen, locken den Inhaber hinter der Ladentheke hervor. Ein dritter Jugendlicher kommt ins Geschäft, greift blitzschnell in die Kasse – 2000 Euro sind weg. Bei einem Textildiscounter steht eine Kundin an der Kasse und will bar bezahlen. Neben ihr steht ein Jugendlicher, reißt mit einem gezielten Griff die EC-Karte aus dem Portemonnaie und flüchtet. Noch bevor die Karte gesperrt werden kann, sind 600 Euro vom Konto verschwunden.

Organisierte Kriminalität

Die Täter hat die Polizei längst ausgemacht. Sie seien unter jenen Rumänen zu suchen, die sich in Duisburg-Hochfeld angesiedelt haben. Für die Polizei handelt es sich bei den Trick- und Ladendiebstählen, bei den von Jugendlichen verübten Überfällen an Bankautomaten oder Metalldiebstählen um knallhart organisierte Kriminalität. Immer häufiger steht in den Polizeimeldungen zu lesen, dass Rumänen wegen solcher Straftaten festgenommen wurden; Gerichte am Niederrhein sprachen ihre Urteile.

Wilhelm Bommann sieht indes auch beide Seiten der Medaille: „Wenn man sich unter der Hand umhört, heißt es, dass die Kinder 300 Euro bringen müssen. Jeden Tag.“ Polizeibeamte bestätigen den Druck, der ausgeübt wird: Bettler etwa müssen 70 Euro täglich bei den Bossen abliefern – wer nicht spurt, wird verdroschen. Kürzlich wurde ein 16-jähriger Rumäne nach einem Überfall am Geldautomaten festgenommen: „Er ging in U-Haft, weil er bereits sieben Mal in Essen und drei Mal in Duisburg zugeschlagen hatte.“ Seine erst elfjährige Komplizin konnte nur dem Jugendamt übergeben werden.

Verständnis für junge Straftäter hilft nicht weiter

Doch auch Verständnis für die Lage der jungen Straftäter hilft den Geschäftsleuten nicht weiter. Bommann: „Der Inhaber eines Geschäfts für Unterhaltungselektronik, sehr groß und kräftig, drängt kleinere Gruppen sofort aus dem Geschäft. Er hat beim Verband nun Schilder in rumänischer und bulgarischer Sprache angefordert, auf denen zu lesen steht, dass man nur einzeln eintreten darf.“ Ein Polizeisprecher: „Die Kinder werden gedrillt. Und wir haben keine gesetzliche Handhabe.“