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Dem Gewöhnlichen ein Denkmal

23.05.2008 | 21:06 Uhr

AUSSTELLUNG. Papier, Wachs und Fundstücke sind die bevorzugten Materialien der Künstlerin Helga Hanisch.OFFNUNGSZEITEN

Jörg Lamers demonstriert an einem Werk seiner Ehefrau Helga Hanisch die "Verklärung des Gewöhnlichen". (Foto: adp.ohms)

KAMP-LINTFORT. Was wie Stein aussieht, ist Papier, und die grauen Farbflächen sind schwere Bleifolien. Und in vielen Werken der in Emmerich lebenden Künstlerin Helga Hanisch tauchen banale Altagsgegenstände oder vielmehr deren aufgegebene Reste auf: Fundstücke, denen auf überzeugende Weise ein Denkmal gesetzt wird. "Verklärung des Gewöhnlichen" nennt sie ihre Arbeitsweise.

Die Wiedererkennung dieser Fundstücke macht einen Teil des Spannungsfeldes aus, in welches der Betrachter angesichts des hohen ästhetischen Reizes der Ausstellungsstücke in der westlichen Orangerie des Klosters Kamp versetzt wird. Das ist durchaus beabsichtigt. Abgelutschte Eisstiele aus Holz würden niemanden zu einem zweiten Blick herausfordern, wenn sie nicht in der Anordnung durch Helga Hanisch mit Gummistücken einer alten Eisenbahnanlage ihre eigene Bedeutung erlangt hätten.

Papier, eines ihrer wichtigsten Werkstoffe, bearbeitet sie auf eine besondere Weise so, dass es oft wie eine steinerne Oberfläche aussieht, idealer Gegenpart zu wächsernen Arealen, die fast immer Einschlüsse vorweisen; blind-trübe Flächen wie die Oberflächen gefrorener Seen, die in verschiedener Tiefe Dinge mehr verbergen als Offenbaren. Die Tiefenstaffelung im Wachs entsteht unter anderem dadurch, dass bis zu sieben, acht Schichten angelegt werden. Das macht aus rostigen Schlüsseln ästhetische Chiffren, die das Auge irritieren und einen Anstoß zum weiteren Nachdenken über die Natur der Dinge anstoßen.

Seit fast zwanzig Jahren verwendet Helga Hanisch die Werkstoffe Papier und Wachs, in die sie Fundstücke integriert. Selbstkennzeichnung: "PWF-Künstlerin".

Das Papier hat sich seiner Natur entäußert und tritt in massiver Körperlichkeit auf, das Wachs konserviert, verhüllt und offenbart letztlich alle Dinge, mit denen es in Berührung kommt. Und die Fundstücke sind sie selbst und doch immer etwas mehr als das.

Seit 1990 sind Arbeiten von Helga Hanisch in zahlreichen Ausstellungen gezeigt worden. Sie hatte von 1973 bis 1977 bei Prof. Hermann Schardt an der Folkwanghochschule studiert, gleich nach dem Abschluss der Studien wurde sie mit dem Kunstpreis der Stadt Gelsenkirchen ausgezeichnet."Die Verklärung des Gewöhnlichen", Ausstellung in der westlichen Orangerie des Terrassengartens mit Werken von Helga Hanisch, 25. Mai (Eröffnung 11.30 Uhr) bis 15. Juni. Geöffnet Di bis Sa von 14 bis 18 Uhr und So von 11 bis 18 Uhr; Eintritt frei!

KARL DANIEL

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