Das Ziel: eine Stadt für alle

Moers..  Augenfälliger hätte der Unterschied zwischen Wunsch und Realität kaum sein können: Während Bundesbauministerin Barbara Hendricks im SCI-Haus am Hanns-Albeck-Platz über die Notwendigkeit von preiswertem Wohnraum in den Städten spricht, ist durch die Fenster hinter der SPD-Politikerin der Blick frei auf die alte Post an der Uerdinger Straße. Hier entstehen Wohnungen – Luxuswohnungen.

Sie werden zumindest nichts daran ändern, dass „Preiswerter Wohnraum ein knappes Gut“ bleibt, so der Titel der Diskussion, zu der der SPD-Bundestagsabgeordnete Siegmund Ehrmann eingeladen hatte. Moers habe derzeit etwa 2500 Wohnungen „im unteren Preissegment“, berichtete Ehrmann. Bedarf bestehe aber für die drei- bis vierfache Menge.

Das Ziel sozialer Stadtentwicklungspolitik gab Barbara Hendricks mit ihrem ersten Satz vor: „Wir wollen eine Stadt für alle.“ Ganz praktisch hat die Ministerin eine Kommission eingesetzt, die noch in diesem Jahr Vorschläge zur Senkung von Baukosten vorlegen wird. Beispiel: Es gibt Gebäude, deren Wohnungen eher auf ältere Singles zugeschnitten sind: „Da hat längst nicht jeder ein Auto, trotzdem muss zu jeder Wohnung ein Parkplatz nachgewiesen werden“, so die Ministerin, die das ändern will.

Barbara Hendricks konnte durchaus darlegen, dass Programme und Geld für den Bau von Sozialwohnungen vorhanden sind. Doch selbst Gesellschaften wie die Wohnungsbau Stadt Moers tun sich schwer. Wie deren Geschäftsführer Rolland Rösch berichtete, habe man zwar gerade ein Projekt dank öffentlicher Mittel mit 21 Wohnungen und einer Kaltmiete von 5,10 Euro pro Quadratmeter fertiggestellt: „Aber das lohnt sich nur, wenn man sehr langfristig denkt“, sagte Rösch. In diesem Zusammenhang wies Peter Sokoll vom Moerser Arbeitslosenzentrum darauf hin, dass das Wohngeld für Empfänger von Arbeitslosengeld II im Kreis Wesel unter der Durchschnittsmiete liegt. Auch energetische Sanierungen werden damit zum Problem: Sie können die Miete so verteuern, dass die Mieter sie nicht mehr zahlen können.