"Das treibt die Bauern in den Ruin"
27.05.2008 | 19:50 Uhr 2008-05-27T19:50:00+0200LANDWIRTSCHAFT. Die Milchpreise sinken durch steigende Produktion. Wenige Landwirte der Region beteiligen sich daran, keine Milch mehr abzuliefern. Forderung: Menge in der EU weiter deckeln.
AM NIEDERRHEIN. Theo Zerbe macht das Auf- und Ab der Milchpreise böse. "Das ist ein ruinöser Wettbewerb. Die Landwirte produzieren sich kaputt", sagt er. Der Hof des Bauern liegt in Saalhoff. Mit 180 Milchkühen gehört er zu den größeren Betrieben im Kreis. Seit gestern folgt Theo Zerbe dem Aufruf des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter zum Boykott. Seine Milch wird verfüttert oder "entsorgt". Damit gehört er zu den wenigen in der Gegend, die sich an dem Streik beteiligen.
"Wir müssen dieses Zeichen setzten", sagt er. Nachdem der Milchpreis letztes Jahr deutlich gestiegen sei - wegen der hohen Nachfrage auf dem Weltmarkt - fiel der Erlös des Landwirts jetzt wieder um rund zehn Cent pro Liter. "Wegen des hohen Preises im letzten Jahr wird immer mehr produziert."
Landwirt Johannes Leuchtenberg aus Neukirchen ist stellvertretender Vorsitzender der Kreisbauernschaft. 60 Kühe stehen in seinem Stall. Er gehört dem Bund der Milcherzeuger nicht an. Und er beteiligt sich nicht am Boykott. Aber er kennt das Problem: "Nichts wirkt besser gegen hohe Preise als hohe Preise." Allein in Frankreich seien im Januar neun Prozent mehr Milch produziert worden. Denn Ende Dezember war der Milchpreis auf 42 Cent geklettert. "Jetzt liegt er bei etwa 32,8."
Zerbe in Saalhoff erläutert: "Die Molkereien kämpfen mit Überschüssen. Und die Großen in der Lebensmittelbranche diktieren die Preise." Der Plan, die Milchquote ganz aufzuheben (wodurch die Produktion der Betriebe bisher gedeckelt ist), sei unverantwortlich. "Der Weltmarkt war schon immer unsicher. Wer deutsche Bauern davon abhängig macht, treibt sie in den Ruin."
Ohne Milchwirtschaft veröden Landschaften
Die Milchmenge, so die Forderung des Verbandes, müsse unbedingt weiterhin begrenzt bleiben. Denn bräche die Milchwirtschaft weg, drohten ganze Landschaften zu veröden.
Milch wegzuschütten, sei unmoralisch, bekam der Bauer schon zu hören. "Mais und Getreide in Biogasanlagen zu schütten, ist mindestens so unmoralisch. Und daran verdienen große Kapitalgesellschaften, die uns Bauern auf Dauer kaputt machen. Doch das ist politisch wohl so gewollt."
15:41
zu ErStaunlich
es isr wirklich erstaunlich, wie unbeleckt von jeder Fachkenntnis einfach draufgehauen wird! Es fällt den Bauern ganz sicher nicht leicht, dieses wichtige Lebensmittel wegzuschütten - aber wenn es keine vernünftigen Preise für gute Lebensmittel gibt, was soll man denn sonst machen? Die Verbraucher müssen endlich kapieren, daß für gute Wualität auch gutes Geld bezahlt werden muss. Solange alle immer nur möglichst billig einlaufen wollen, können die Billig-Discounter wie Lidl und Co Preise festsetzen, von denen kein Produzent /Bauer existieren kann. Und es kann ja auch nicht jeder mit der Kanne zum Bauern gehen...
10:23
Wieso jammern den da die Bauern? Ichverstehe die ganze Sache nicht. Wenn man mal schnell überlegt, das dort zur Zeit jeden Tag im Durchschnitt 2500l Milch vernichtet werden pro Hof, das macht bei 32,8 Cent pro Liter jeden Tag 820€ die ein Bauer wegwirft. Wenn man dann die Bauernsprecher hörrt, das man das 2 Monate durchhalten kann, das macht dann mal eben 49200€ aus, dann frage ich mich, wer soviel Geld wegschmeisen kann, dem soll es schlecht gehen????? Haben die Bauern da nicht den Knall gehört. Die Spinnen doch Hundertprozentig. Manch Rentner hat gerade die 820€ im Monat zu Leben und die schmeißen das jeden Tag weg. Also Bitte wer hat da noch ein einsehen für die Bauern. Man gehe doch mal auf einen Milchhof und hole selber mal die Milch ab. Da gibt es keinen Liter für 32,8 Cent, die verlangen auch den normalen Ladenpreis, wenn nicht sogar mehr. Ich habe daher kein Verständnis für so eine Vorgehensweise. Wer sein Einkommen so wegschmeist, der braucht keine Unterstützung der Mitmenschen.