Das System stinkt
27.02.2010 | 10:00 Uhr 2010-02-27T10:00:00+0100Moers. Zwölf! Ein lächerliches Dutzend Kinder will in Moers zur Hauptschule. In einer Stadt mit 107 000 Einwohnern und vielen Familien.
In einer Stadt, die für 12,5 Millionen Euro eine komplett neue, moderne Ganztagshauptschule baut, einen Architektur-Professor ins Boot holt und sogar Schüler wie Eltern in die Planungen einbindet. Natürlich kommt eine Eingangsklasse zustande, das zeigt die Erfahrung mit dem Anmeldeverhalten der Eltern. Trotzdem: Die Hauptschule hat keine Zukunft. Weil das System stinkt.
Es ist ja schizophren: Die Experten in Ämtern und Schulen Kamp-Lintforts, Neukirchen-Vluyns oder Moers' bescheinigen ihren Hauptschulen gute, wichtige Arbeit. Kleine Gruppen, hohe Lernkontrolle, individuelle Ansprache. Eben das, was immer mehr Kinder in der Zweiklassen-Gesellschaft Schule dringend benötigen. Wer kein Geld für Nachhilfe hat oder aus einem bildungsfernen Umfeld kommt, muss aufgefangen werden. Trotzdem sinken die Anmeldezahlen kontinuierlich. Die Gründe haben viele Namen.
Gesamtschule zum Beispiel. Die Hermann-Runge in Moers oder die Unesco in Kamp-Lintfort platzen aus allen Nähten. Viele Kinder mit Hauptschul-Empfehlungen werden von ihren Eltern lieber dort angemeldet, weil sie sich ein besseres soziales und chancenreicheres Lernumfeld erhoffen. Weil sich ein Kind ja noch entwickeln und vielleicht nach der Zehn weitermachen kann.
Vorurteile gibt's zu viele. Hausgemachte. Eine verschlafene Integrations- und eine verfehlte Wohnungsbau-Politik haben in bestimmten Vierteln Lernorte geschaffen, auf denen Hauptschule draufsteht und viel Elend drin ist. Aber Rheurdt ist nicht Berlin, Moers nicht Dortmund.
Weil auch gute Argumente den Niedergang der Hauptschule kaum mehr aufhalten können, muss das System endlich angepasst werden. Eine Verlängerung der Grundschulzeit muss her. Eltern wollen sicher sein, wo Stärken und Schwächen ihrer Kinder liegen. Und die kleinen Systeme müssen gewährleistet sein. Wer weiß, wenn nicht mehr Hauptschule draufsteht, gehen sicher wieder mehr Kinder hin. Das ist zynisch und ungerecht. Aber leider die Realität.
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