Das Mekka der Abrisstouristen

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Was wir bereits wissen
Der Abbruch des ehemaligen Horten-Kaufhauses schreitet voran. Investorin Brigitte van der Jagt spricht derweil mit Mietinteressenten. Ein Viertel für die Gastronomie

Moers..  Die Grafen-Galerie gibt’s noch gar nicht, und doch bewegt sie die Moerser schon jetzt wie kaum etwas anderes – nämlich hin zur Baustelle an der Homberger Straße. Tag für Tag stehen viele am Kreisel und schauen gebannt zu, wie der imposante Bagger das Horten-Gebäude niedermacht, das mehr als ein halbes Jahrhundert die Innenstadt an dieser Stelle geprägt hat. Der Abrisstourismus blüht.

Viel ist nicht mehr übrig. C & A ist schon weg – und das, was mal Horten gewesen ist, fast. Eine 25 Meter hohe Stoffwand verhindert, dass Steine auf die Homberger Straße fallen. Ansonsten haben die Zuschauer freien Blick in die vier Geschosse, wo sie einst Hosen und Hüte, Babywindeln und Spielzeugautos gekauft haben. Die Riesenschere am Ende des Baggerarms schneidet sich mühelos durch Betondecken und -wände, dazu strömt Wasser in großen Mengen auf den Schutt, um den Staub zu binden. In diesem Bild der kontrollierten Zerstörung wollen bloß die neckisch-bunten Säulen auf den Etagen irgendwie nicht passen.

Henri Kroef, Bauleiter der niederländischen Firma Larakkers, und sein Team haben die Baustelle gut im Griff, lobt Investorin Brigitte van der Jagt: „So ein Abbruch ist komplizierter, als man glaubt.“ Mitten in der Stadt kann man nicht einfach die Abrissbirne schwingen. Bloß für Abbruch, Spundwände bis 7,50 Meter Tiefe und Abtransport des Bauschutts muss van der Jagt eine erkleckliche Summe in sechsstelliger Höhe hinlegen.

Wann die Baugenehmigung kommt, ist übrigens offen. Laut Auskunft der Stadt hat die Investorin gerade erst ein Gutachten zu den Abstandsflächen eingereicht, das nun von einem Fachanwalt geprüft wird. Was noch fehlt, ist ein Lärmgutachten. Einen Zeitpunkt für die Erteilung der Baugenehmigung nennt die Stadt nicht: „Das hängt nicht nur von uns ab“, sagt ein Sprecher. Brigitte van der Jagt spricht unterdessen nach eigenen Angaben mit potenziellen Mietern für die Grafen-Galerie. Etwa ein Viertel der fast 15 000 Quadratmeter Verkaufsfläche wird von Gastronomie belegt werden, berichtet sie. Allein im „Blickfang“, den sie auf dem ehemaligen Tankstellengelände plant, soll sich eine Gastro-Kette auf 1000 Quadratmeter niederlassen. Vorgesehen sind zudem ein großer Supermarkt, Unterhaltungselektronik, eine Drogerie, Spielzeug und „viele Textiler“.