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Das kürzeste Jahr des Lebens

14.12.2011 | 15:33 Uhr
Das kürzeste Jahr des Lebens

Moers.Für Achim Tang hat der Abschied auf Raten längst begonnen. Schon bei seinem letzten Konzert in der Röhre lag ein Hauch von Wehmut in der Luft. „Aber das“, so sagt der scheidende Improviser in Residence, „gehört zum Abschied dazu.“

„In jedem Fall war das Jahr in Moers das kürzeste meines Lebens.“ Ende Januar packt er endgültig seine Koffer. Zeit für ein Gespräch. Vollgepackt mit Musik und Begegnungen, arbeitsreich und kreativ war die Zeit. Was das Schönste an seinem Jahr in Moers war? Achim Tang kramt gar nicht erst lange in seinem Gedächtnis: „Die Vielfalt war das Besondere, es gab so viele Höhepunkte, da würde manches untergehen, wenn ich Einzelnes hervorhebe. Die Möglichkeit, mit so vielen verschiedenen Menschen zusammenzuarbeiten, war schön.“

Kultur ist nicht nur Event, sondern Alltag

Der Kölner hat Spuren in der Stadt hinterlassen – im Theater, in Schulen, in der Nachbarschaft, bei Menschen, die mit ihm zusammen musiziert haben. „Ich nehme unheimlich viel mit, das ist ja keine Einbahnstraße. Ich habe viele positive Rückmeldungen und die bestätigen mich darin, so weiterzumachen – wohin der Wind mich auch trägt.“

Vor allem in einem fühlt Tang sich bestätigt: „Kultur ist für mich nicht nur das Event, sondern auch der Alltag. Nach meinen Erfahrungen in Moers weiß ich, dass ich mit diesem Ansatz weiterarbeiten möchte, auch in der Laienarbeit. Es ist für mich von der Idee her kein großer Unterschied, ob ich ein Konzert mit professionellen Musikern gebe oder ein Schulprojekt leite. Ich möchte kulturell über ästhetische Grenzen hinweg arbeiten. Es kommt mir auf Inhalte an – ich hätte hier noch Ideen für zwei Jahre.“

Leider sei es ihm nicht gelungen, die Moerser Peripherie „zu erschließen.“ Das, so Tang, bedaure er. Weil es nicht gut sei, wenn Kultur sich zu sehr auf das Zentrum fokussiere.

Was er vermissen wird? „Dass ich jetzt nicht mehr Tag und Nacht Musik machen kann“, lacht der Kölner. „Hier gab es keine direkten Nachbarn, und so hat das keinen gestört.“ Und: Auch wenn er ab und an dicke Bretter bohren musste – er habe auch den Niederrhein lieb gewonnen.

Das letzte Konzert am 26. Januar im Bollwerk wird ein besonderes: Achim Tang hat seine Amtsnachfolgerin zur musikalischen Begegnung geladen, bevor er mit der Band „Nanoschlaf“ einmal mehr zu neuen Ufern aufbricht. Für alle Moerser, die ihn als Improviser in Residence vermissen werden, hat er einen Trost: „Das ist die Chance des Wechsels, dass jeder andere Impulse setzt.“

Der Grafenstadt bleibt er dennoch verbunden. So wird er auf den morning sessions beim Moers-Festival 2012 zu sehen und zu hören sein und die musikalische Betreuung des „Open House“ übernehmen. Und wenn die Nimm-Projekte weiterlaufen, wird der Musikpädagoge sicher auch mal wieder in Moers vorbeischauen.

Gabi Gies

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