Das Kriegsende in Lohheide

Heinz Hackstein berichtet.
Heinz Hackstein berichtet.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Heinz Hackstein war neun Jahre alt, als die GIs kamen und den Hof seiner Eltern durchsuchten.

Moers..  Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte am Niederrhein jeder anders – die einen sahen Menschen bei schwersten Kämpfen sterben, bei anderen saßen die GIs zum Kaffee in der Küche. Heinz Hackstein war am 5. März 1945, am Tag der Befreiung durch die US-Armee, neun Jahre alt. Er erlebte das Kriegsende auf dem Bauernhof der Familie in Lohheide – und es gab einige mulmige Momente.

Das Dorf wurde an diesem Tag von US-Truppen durchsucht. „Die kamen ins Haus, und wir wurden alle zusammen mit meiner hochschwangeren Mutter an die Wand gestellt.“ Hacksteins Vater wurde von den jungen farbigen GIs – den ersten Farbigen, die man im Dorf je gesehen hatte – auf SS-Tätowierungen untersucht. Danach, so erinnert sich der heute 78-Jährige, schoss ein Soldat mit seiner Maschinenpistole auf die Töpfe im Regal; Salz, Zucker, Mehl, alles lag am Boden. „Unsere Knie fingen mächtig an zu zittern“, erinnert er sich. Bei der Durchsuchung des Kellers gingen die Amerikaner kein Risiko ein.

Feuerstöße der Maschinenpistolen

Unter Feuerstößen aus ihren Maschinenpistolen gingen zwei Soldaten Stufe für Stufe hinunter – die Einmachgläser und die Waschkörbe mit Porzellan überlebten das nicht. Und gerade als die Hacksteins dachten, der Spuk sei vorbei, trat ein deutscher Unteroffizier mit einem weißen Taschentuch in der Hand aus ihrer Scheune und ergab sich den Amerikanern. Dass er sich dort versteckt hatte, wusste niemand aus der Familie, aber es wurde alles noch einmal durchsucht.

Auf dem Hof in Lohheide lebte bis zum 5. März auch ein polnischer Zwangsarbeiter mit Namen Ignaz, der die Gunst der Stunde nutzte. Als die GIs abrückten, warf er seine Mistgabel in die Hecke und sprang auf einen Panzerspähwagen. „Er rief tschüss, und weg war er. Wir haben später nichts mehr von Ignaz gehört“, beschreibt Heinz Hackstein seinen letzten Eindruck dieses Tages.

Seine Familie hatte den Krieg überlebt, aber auch die Zeit danach barg Gefahren. „Wir hatten von den Amis Telefonlitze geklaut und einen Luftvogel steigen lassen“, erzählt Heinz Hackstein, „und mein Bruder warf einen Stein mit der Litze über einen Hochspannungsmast.“

Bis auf die Knochen verbrannt

Der Stromschlag traf den neunjährigen Heinz, verletzte seinen linken Arm auf das Schwerste: „Mein Fleisch war bis auf die Knochen verbrannt.“ Zuhause angekommen, versuchten die Brüder es den Eltern zu verschweigen, die schlimmen Verletzungen zu vertuschen; noch heute ist sich Heinz Hackstein sicher, dass er von seinem Vater zusätzlich noch eine Tracht Prügel bezogen hätte.

Wenige Tage, nach dem Abzug der US-Truppen, wurde dann das ganze Dorf ausquartiert. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.