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„Das ist psychologische Kriegsführung“

28.04.2010 | 21:17 Uhr
„Das ist psychologische Kriegsführung“

Kamp-Lintfort.Gerne folgte Günter Wallraff der Bitte der IGBAU zu einer Lesung in Kamp-Lintfort. Schließlich prangert er in seinem Buch „Aus der schönen neuen Welt“ Praktiken der Anwaltskanzlei Schreiner an, deren Dienste sich die örtliche Reinigungsfirma „Aktiv“ bedient.

Die Kanzlei empfiehlt sich auch mit höchst fragwürdigen Mitteln wenn es darum geht, unliebsame Beschäftigte mürbe zu machen und quitt zu werden. Wallraff spricht von teils kriminellen Methoden.

„Dem Anwaltsbüro geht es nicht um Rechtsprechung, sondern um psychologische Kriegsführung.“ So würden die Gewerkschaftsvertreter des Betriebsrats mit Klagen überzogen. Betriebsratsvorsitzende Sonja Reick jammert denn auch, dass ihr Familien- und Arbeitsleben, ihr Freundeskreis und auch sie selbst ganz erheblich darunter leiden. „Der Fall ist so drastisch und symptomatisch. Ich fühle mich hier unmittelbar gefordert“, erklärt der kämpferische Journalist und Autor.

Mobile Einsatztruppe
empfohlen

Günter Wallraff kündigt an, die Auseinandersetzungen bei „Aktiv“ in einem weiteren Buch zu behandeln. Gleichwohl sieht er diese Vorgänge als einen Baustein in einer Flächenstruktur. „Eigentlich müssten die Gewerkschaften eine mobile Einsatzgruppe mit Anwälten und einem Therapeuten haben. Denn die Arbeitnehmer sind manchmal traumatisiert.“ Gleichwohl hegt der Autor den Verdacht, dass Firmenchef Martin Boersma einfach nur schlecht beraten sei und einen guten Mediator benötige.

Doch Gewerkschaftsmitarbeiterin Nicole Simon berichtet, dass der Bundesvorstand der IGBAU in Verhandlungen mit dem Unternehmer vergebens versucht habe, eine Basis zum Dialog herzustellen. Ausgesetzt sind die Vorbereitungen zur Betriebsratswahl. Denn Boersma bezweifelte, dass der Wahlvorstand rechtmäßig gewählt worden sei. Und ein von der freien Liste gekürter Wahlvorstand kam ebenfalls nicht zum Tragen. Nach den Schilderungen der IGBAU habe der Unternehmer zudem behauptet, dass er seine Firma in zehn Einheiten aufgesplittet habe. In einem Einigungsstellenverfahren unter Leitung des ehemaligen Direktors des Weseler Arbeitsgerichts sei jedoch festgestellt worden, dass diese Darstellung falsch sei.

Eine Aufsplittung hätte wesentliche Auswirkungen auf den Umfang der Arbeitnehmervertretung gehabt. Inzwischen haben beide Seiten das Gericht angerufen, bei der Benennung eines Wahlvorstands zur Durchführung der Betriebsratswahl zu helfen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Mitglieder der so genannten freien Liste auf Handzetteln den Gewerkschaftsvertretern des Betriebsrats vorwerfen, Arbeitsplätze kaputt zu machen und zugleich die IGBAU bezichtigen, einen Feldzug gestartet zu haben, um das große Reinigungsunternehmen zu vernichten.

Insgesamt stell Günter Wallraff fest, dass das Reinigungsgewerbe gute Gewinne mache und sich auf der Sonnenseite befinde. „Dennoch wird versucht, die Mindestrechte der Arbeitnehmer zu verweigern.“ Um ein Zeichen zu setzen, tritt der Autor, der undercover in großen Unternehmen tätig war und Missstände aufgedeckt hat, der IGBAU bei. Seinen Zuhörern in der Kamp-Lintforter Stadthalle empfiehlt er nachdrücklich, seinem Beispiel zu folgen.

Ulrich Ernenputsch

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Kommentare
02.05.2010
13:23
„Das ist psychologische Kriegsführung“
von Rousseau | #2

mehr zum Thema auf www.aktivblog.blogspot.com

29.04.2010
14:19
„Das ist psychologische Kriegsführung“
von arbeiterrechte | #1

alle räder stehen still, wenn dein starker arm es will!
kämpfen kolleginnen!

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