Das ist ja wohl die Allerletzte
11.08.2009 | 19:40 Uhr 2009-08-11T19:40:00+0200Nie wieder Brandblasen und Kinderstühle, nie wieder Schultüten-Basteln
Ich schwöre: Das ist das letzte Mal. Definitiv das letzte Mal, dass ich mich auf einen dieser winzigen Kinderstühle setze, meine Oberschenkel unter die niedrige Tischplatte quetsche und mir an der Heißklebepistole Brandblasen hole – nur, um einem meiner Kinder den Liebesdienst zu erweisen, eine Schultüte zu basteln.
Heuer bin ich zum dritten Mal dabei, und ich kann aus Erfahrung behaupten: Keine Sankt-Martins-Laterne hat mich bislang derart ins Schwitzen gebracht, wie die Herstellung einer selbstgebastelten Schultüte!
Die Pferde-Tüte
in pink
Wie in jedem Jahr hat der Kindergarten uns auch diesmal mehrere Modelle zur Auswahl gestellt. Meine Tochter wollte damals eine „Pferde-Tüte” haben, in pink (!). Und ich habe mich diesem Wunsch gefügt, obwohl mein Herz ja eher für die meerblaue Tüte mit Seeräuber-Jungen schlug... Immerhin, so tröstete ich mich damals, hatte meine Tochter sich nicht für diese kitschige Prinzessinnen-Tüte entschieden, und das war ja auch schon was.
Irrtümlich hoffte ich ja noch, dass ich diesen netten, kleinen Kobold drei Jahre später würde basteln dürfen. Für unseren Mittleren. Aber der wollte, als es soweit war, eine grüne Tüte haben, mit Fußball-Jungen drauf. Pech gehabt. Also schnippelte ich Fußbälle und malte dem kleinen Papier-Jungen ein Bayern-Trikot. Mein Sohn strahlte, und die Fotos von seiner Einschulung zeigen mir heute noch, wie glücklich er mit seiner Schultüte war, und wie weise ich mit meiner selbstlosen Entscheidung.
Die Fußball-Tüte
in grün
Und nun also ist es wieder soweit. In wenigen Tagen wird unser Nesthäkchen eingeschult werden, und endlich, endlich, würde ich meinen kleinen Seeräuber-Jungen basteln; mit einem pfiffigen Gesicht, roten Wuschelhaaren und kleinen, frechen Sommersprossen auf der Nase...
„Ich möchte die coole Rennauto-Tüte!”, verkündet mein Sohn, als wir uns zum Bastel-Nachmittag im Kindergarten eingefunden haben. „Viele coole Rennautos müssen da drauf, und eine schwarz-weiß-karierte Fahne.” – Na toll.
Nur mühsam kann ich meine Enttäuschung verhehlen: „Och, ich dachte, wir basteln diesen netten kleinen Seeräuber, schau doch mal, wie niedlich der ist!” Demonstrativ preise ich ihm das meerblaue Papierwunder an.
Die Tüte, die
niemand haben will
Doch genau das soll sich als Fehler erweisen, denn prompt verkündet mein Sohn kategorisch: „Nee, also ehrlich, Mami, ich will doch keine niedliche Schultüte haben!” Sichtlich empört schüttelt er den Kopf. „Schade”, erwidere ich leicht gekränkt, „weißt Du, die fand ich nämlich schon immer am Schönsten, und eigentlich wollte ich die auch immer schon mal basteln...”
Mitgefühl heischend sehe ich ihn an. „Tja”, meint mein Sohn da lakonisch, „wenn Du die unbedingt basteln willst – von mir aus!” Hoffnung keimt kurzfristig in mir auf, wird aber durch folgenden Nachsatz jäh zerstört: „Dann musst Du aber auch noch ein neues Baby kriegen, dem Du diese niedliche Tüte zur Einschulung andrehen kannst!”
Mit diesen abschließenden Worten beginnt er pfeifend, Rennautos aus dem Karton zu schneiden. Und ich denke: Nee, also wenn das so ist, dann werde ich halt keine Seeräubertüte basteln. Definitiv.
22:34
Rabenmutter
Ob die Tuete gross
Ob die Tuete klein
Bis uebern Rand
Gefuellt muss sie sen
Also lass Dich nich Lumpen
Und rein damit
Mit ALLDI leckeren Sachen