Das Ende einer Moerser Kultkneipe

Carsten Matthießen macht die Stadt mitverantwortlich an der Schließlung.
Carsten Matthießen macht die Stadt mitverantwortlich an der Schließlung.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Carsten Matthießen öffnet am Samstag zum letzten Mal die Türen zum Monokel im sogenannten Moerser Bermudadreieck

Moers..  Wenn Carsten Matthiessen Sonntag in der Früh die Tür zu seiner Kneipe Monokel in der Altstadt schließt, so tut er dies zum letzten Mal: Mit der heutigen Abrissparty schließt die Kneipe endgültig, Carsten Matthiessen gibt auf. Vor einigen Tagen lud er die Redaktion zum Gespräch, um die Gründe für das Aus darzulegen. Seine Sichtweise: Nachbarn und Stadtverwaltung tragen die Schuld daran, dass er die Kneipe dicht macht. Was die Stadt naturgemäß anders sieht.

„Ich hätte es länger gemacht“, so der Altstadt-Wirt. Die Kneipe gibt es seit den 80-er Jahren, aber er fühlt sich vom Ordnungsamt mit Ordnungswidrigkeitsverfahren regelrecht verfolgt. Matthiessen startet mit seiner Auflistung am 9. Dezember 2013, als ihm wegen Verstößen gegen den Lärmschutz und das Nichtraucherschutzgesetz zwei Bußgeldbescheide ins Haus flatterten.

Geraucht worden sei im Zelt vor dem Monokel, aber trotzdem sei er belangt worden – obwohl der damalige Bürgermeister in einem Zelt auf dem Weihnachtsmarkt auch geraucht habe, und dort sei kein Bußgeld verlangt worden. Das Verfahren wegen des Lärms sei eingestellt worden, die Sache mit dem Zelt werde Ende November 2015 vor Gericht gehen. Im Laufe diesen Jahres habe er die Hälfte seiner Mitarbeiter entlassen müssen, nennt allerdings keine Gründe.

So weit, so gut – oder doch so schlecht? Um das Zelt vor dem Monokel, welches ohnehin nur an zwei Tagen in der Woche und vor Feiertagen geöffnet ist, zu Karneval 2014 aufbauen zu dürfen, habe er der Stadt „rechtliche Schritte“ androhen müssen. Außerdem sei seine Ü30-Kneipe einer Jugendschutzkontrolle unterzogen worden, was Matthiessen für Schikane hält. Beim Ordnungsamt hört sich das allerdings anders an. Man reagiere nur auf Anwohnerbeschwerden wegen Lärms nach Mitternacht, und diese könne man, was das laufende Jahr angehe, an einer Hand abzählen. Keinesfalls sei der Gastwirt schikaniert worden. Dem Ordnungsamt scheint, so ist der Eindruck, nicht ganz ersichtlich, dass ein Wirt wegen solcher Lappalien seine Kneipe würde schließen wollen.

Doch genau das tut Matthiessen, der zudem gegen „stadtbekannte Nörgler“ wettert, mit dem heutigen Tage: „In einer Stadt, in der man als Gastronom schikaniert wird und die Kontrolle von Mitarbeitern des Ordnungsamtes durch die Vorgesetzten bis hin zum damaligen Bürgermeister Herrn Ballhaus nicht gegeben ist, macht es keinen Sinn, weiter gastronomisch tätig zu werden.“