Humor
Comedy Arts Festival lässt die Puppen tanzen
29.08.2010 | 17:21 Uhr 2010-08-29T17:21:00+0200
Moers.Das 34. Internationale Comedy Arts Festival geriet unter freiem Himmel zu komödiantischen Winterspielen. Warmlachen konnten sich die Besucher etwa dank abgehalfterter Turniertänzer und eines chilenischen Puppenspielers.
Wo lässt man an einem kühlen Augustabend in Moers so richtig die Puppen tanzen? Richtig, auf dem Comedy Arts. Ohne Regen, mit Thermodecke und vielen heißen Flirts. Ob sie nun Manfred, Bernhard, Martin oder spanisch-argentinisch Joaquin hießen, aus „Muuuööhrs“ oder gar aus dem furchtbaren Wesel mit der neuen Brücke kamen - die Männerwelt musste ob der geballt-charmanten Aufdringlichkeit abgetakelter Dandys und Diven am Wochenende in der gut gefüllten Arena auf dem Kastellplatz die Haltung bewahren. Oder im Takt mit dem Kopf wackeln - was sich in Folge allerdings als weitaus schwieriger herausstellte ...
Puppen - wie am Festival-Freitag die Oberätz-Echse und sein Kuscheldrache, ein Kleiderbügel mit Hut oder eine chilenische grünwolllanghaarige Sängerin am Samstag - waren die heimlichen Stars der ersten zwei Festivalabende. Die Oberhausenerin La Signora, Sternzeichen Hase und auf Männersuche, hatte sie und das Publikum mit ihrem Akkordeon dennoch fest im Griff.
Ein Hauch Herbert Knebel, eine Prise Missfits und dennoch genug eigene Ruhrpottschnalle mit herbem Stützstrumpf-Profil, die Carmela de Feo als Moderatorin auf die Bühne brachte. Wer sieht, wie sie in der undankbaren Pausenrolle mit ihrem „Oberhausen-Song“ vor dem Vorhang auf- und abhoppelt, wünscht sich klammheimlich, Moers wäre nicht ganz so einsilbig ...
Gänsehaut trotz Thermokleidung
Schon der Freitagabend hatte ein ganz besonderes Finale - dank des Australiers Raymond Crowe, der mit dem „Henriettchen“ ausgezeichnet wurde. Wenn er in seiner „Wonderful World“ mit nichts als seinen Händen, einem Scheinwerfer und einem Laken Louis Armstrong singen lässt, kommt trotz Thermokleidung Gänsehaut auf.
Nils Heinrich, das diesjährige Schwarze Schaf, bewies, dass er nicht nur wortreich in Kindheitserinnerungen jenseits der Mauer schwelgen, sondern auch ganz zeitgemäß rappen kann. Das sogar mit so krankhaften Buchstabenkombinationen wie „Lactoseintoleranz“.
Zwei abgehalfterte Turniertänzer, die - nicht nur die Schminke - ganz schön dicke auftrugen: „Stickleback Plasticus“ aus England eröffnete den Samstag mit einem gekonnt-misslungenen Paso Doble, der allerdings einige Längen hatte. Auch der Chilene Francisco Obregon parlierte ausgiebig mit seinem argentinisch-deutschen Dolmetscher, den er sich extra aus dem Publikum kommen ließ, bevor er seine Puppe mit sich tanzen ließ. Das tat er dann aber umso perfekter in schräger Symbiose.
Mal drei, mal vier Beine und verdrehte Köpfe
Die Illusion perfekt machte anschließend das kanadische Duo „Strange Comedy“. Mal mit drei, mal mit vier Beinen, verdrehten Köpfen und verrenkten Armen zeigte das Duo gekonnt, dass atemberaubende Artistik gepaart mit Clownerie durchaus gewinnen kann.
Spätestens da hatte sich das Publikum endgültig warmgelacht - gut für die holländische A-Capella-Boygroup „Intrmzzo“ und ihre Filmhelden. Die Männer in den Anzügen überraschten nicht nur mit perfektem Gesang, einer prima Boomwhacker-Nummer, sondern gegen Ende auch mit dem plötzlich dialektfreien Outing des einzigen Deutschen in der Truppe - eins zu null für Holland und stehende Ovationen des Moerser Publikums.
Dass die geforderte Zugabe ausblieb, kam wiederum Emmi & Willnowsky zupass. Säurehaltige Gesangseinlagen über eine tiefgepflegte Hassliebe, deutsche Stammtischwitze vorgetragen mit russischem Dialekt - bei fortschreitender Narrenfreiheit durfte dem Herrn Willnowsky bei der Suche nach dem Österreicher, der hierzulande früher Säle gefüllt hat, ruhig statt Udo Jürgens auch der Mann aus Braunau einfallen ... Noch einmal stehender Applaus für das Berliner Duo und einen gelungenen Comedysamstag.
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