Comedy Arts Festival der frivolen Leibesübungen
17.08.2009 | 11:15 Uhr 2009-08-17T11:15:00+0200
Moers. Das 33. Comedy Arts Festival in Moers bewies eine außerordentliche Bandbreite, deren Verbindungspunkt das Stauenen war. Artistik war ein Schwerpunkt des Lach-Festivals, Standing Ovations gab's für Mozulu Art.
Der heimliche Star des 33. Internationalen Comedy Arts Festivals heißt Rudi und kommt aus Neukirchen-Vluyn. Er ist einer aus dem Publikum und wurde für das ausgeguckt, wovor sich alle drücken und ängstlich in ihre Sitze ducken: Er musste auf die Bühne. Und entpuppte sich als echte Rampensau. Er klaute dem Amerikaner Jeff Hess beim imaginären Tennisspiel die Pointen. Er himmelte smart den weiblichen Part von Bongo Bolero an.
Rudi ließ sich tapfer und standhaft mehrfach von Svetlana Flamingo bekraxeln und dürfte sich nun in ihren anatomischen Gegebenheiten bestens auskennen. Bei ihr lernte er im Leopardendress den richtigen Hüftschwung. Am Ende eines langen Comedy-Tages wurde er gar zum Schlussapplaus für alle Artisten auf die Bühne geholt. Und hat auch noch gelacht.
„Du kleine Rampensau.”
Ja, das Moerser Publikum ist in Künstlerkreisen legendär, die Stimmung außerordentlich. Die Künstlerkollegen hat es gestern förmlich „zerrissen”, wie Ingo Oschmann verriet, als Uli aus dem Publikum Jens Ohle spontan die Show und Jonglierbälle stahl, und zeigte, was er kann. Jens Ohle konterte: „Du kleine Rampensau. Bist du der Bruder von Rudi?”
Ihre Lachlust lassen die Moerser sich an den drei Festivaltagen nicht nehmen. Und wenn am Samstag die Sparkassen-Arena am Kastellplatz pickepacke voll ist und ausverkauft – normal! Wenn es nicht gerade Hunde und Katzen regnet.
Mozart rockte Moers
Standing Ovations gab es an den ersten beiden Festivaltagen einmal – ausgerechnet für ein Projekt, das nun gar nicht witzig ist, sondern einfach nur ungewöhnlich: Mozart rockte Moers. Drei stimmlich bestens ausgestattete afrikanische Sänger, begleitet von einem Ensemble der Wiener Symphoniker, stimmten ihre Version der Zauberflöte an. Mozulu Art heißt das Projekt, und der Auftritt in Moers, der das Publikum von den Stühlen riss, hat den drei Sängern einigen Umsatz bei ihren CDs beschert. Vielleicht wollten ja einige doch noch Fischers Fritze auf Zulu im Heimkursus lernen.
Dieser Auftritt war ein Kontrast zu dem etwas akrobatiklastigen Rest der ersten beiden Tage: Ein Festival der frivolen und komischen Leibesübungen bekam das Publikum zu sehen mit dem Bananen spuckenden Daredevil Chicken Club, den Urzeit-Männern auf dem Trampolin, Le Bo Trio, der zu den seltsamsten Verrenkungen fähigen Svetlana Flamingo, mit Bongo Bolero, bei denen eher Schuhe als Pos in Gesichtern landeten, und dem Sauna-turnenden, singenden und schmachtenden Duo Chronk.
Akrobatik vom Allerfeinsten
Akrobatik vom Allerfeinsten servierte das Berliner Duo Kriskats. Ihrer Referenz als Gründungsmitglieder des GOSH erwiesen sie alle Ehre. Ebenso der Auszeichnung mit dem NRZ-Förderpreis, der alljährlich beim Comedy Arts vergeben wird. Schade nur, dass die Geschichte, die sie im Programm „Kunstrasen” erzählen, es am späten Freitagabend etwas schwer hatte.
Das Chaostheater Oropax, das in Moers Kult ist, hielt am Samstag als wirres Moderatorenduo das Programm zusammen. Am Freitag versuchte sich Hennes Bender Sympathien zu erwerben, kam aber trotz Mut zur Hässlichkeit als Sponge Bob nicht wirklich durch.
Im Gegensatz zu Ingo Oschmann, der gestern nahtlos an seinen Sympathiepunkten weiter arbeitete, die er sich im vergangenen Jahr als charmanter Moderator bei den Moersern erwarb. Und er kann immer noch nur Hunde mit Luftballons.
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