Comedy Arts Festival - bis zum bitterkalten Ende
30.08.2010 | 17:13 Uhr 2010-08-30T17:13:00+0200
Moers.Es ist bemerkenswert, wie leidensfähig, ja sogar leidenswillig das Publikum des Comedy Arts Festivals ist. Am Sonntag schüttete es aus Kübeln, es war kalt, alles klamm – und die lachen trotzdem.
Gut, bis zum bitterkalten Ende war das Publikum von ursprünglich sechs-, siebenhundert mit Schirm und Cape bewehrten Zuschauern auf den intimen Kreis von vielleicht knapp hundert durchnässten Tapferen zusammengeschrumpft. Aber dieser harte Kern lässt nie die Künstler im Stich. So mussten sich auch die Jungs von Malediva, die augenscheinlich genauso froren wie ihre Zuhörer, mit klappernden Zähnen durch eine Zugabe beißen.
Gut, was singen diese Süßen auch so herrlich ehrlich über eheähnliche Zustände in gleichgeschlechtlichen Beziehungen: über Falten und Altern, über Liebe und Triebe, über Streiten und Schweigen, über Familienurlaub, graue Haare und – „Schlüpper“. Und was hätten ihre heiter dahinswingenden Melodien mit den manchmal absurd-bösen Wendungen im Text zu einer lauen Sommernacht gepasst. Hat nicht sollen sein.
Selbst Christiane Webers „Honolulu-Prinzip“, mit dem das Comedy Arts in den letzten Tag startete, konnte kein Südsee-Wetter herbeizaubern: „Wenn viel Honolulu innen ist, bleibt das Scheißwetter draußen.“ Nix da, der platschende Regen kroch von unten in die Hosenbeine. Und so’n Toast Hawaii rettet schon gar nichts. „Wir müssen jetzt ein Lied machen, bei dem ich tanze, sonst erfriere ich“, erklärte das tiefdekolletierte Vollweib trotzig und amüsierte sich über die quietschbunten Gummianzüge ihrer Zuhörer („Ihr müsstet Euch mal sehen...“). Ihre Chansons über die an die Finken verfütterte Öko-Inken oder unfreiwillig belauschte abstruse Gespräche in Zügen – herrlich.
Pudelfondue und Spanrottweiler
Helfried kam gleich dreimal: als Helfried, Tante Hedwig und als Entertainer mit Bijou-Bärtchen, Gerd Schuster. Best of aus zehn Jahren, wobei der „mit harter Hand“ von der frommen Tante Hedwig erzogene, bitterböse und Kanaris mordende Helfried immer noch der überzeugendste Charakter des Östereichers Christian Hölbling ist, der mit diablolischem Grinsen berichtet, dass nie geklärt wurde, wie Tante Hedwigs Schäferhund in die Räucherkammer gelangte: „Schwamm drüber“. Dennoch wird es keine Nachfrage nach seinen Empfehlungen für Pudelfondue und Spanrottweiler geben.
Der traditionell „deutsch“ besetzte Festivalsonntag hatte schon mal mehr Längen. Am Programm lag es also nicht, wenn mit jedem Schauer ein paar Stühle frei wurden.
07:59
Sonntag schüttete es aus Kübeln, es war kalt, alles klamm – und die lachen trotzdem.
Eben, die merken nämlich garnichts mehr...